Tag 54: Stell dir vor, du bist Gott und die Leute kommen nur,wenn sie was brauchen…

„Ein intelligenter Mensch lernt aus seinen Fehlern, ein wirklich weiser Mensch lernt aus den Fehlern anderer.“ (Taleb, Federicos Buch)

Gott…nu labert mich hier so n Pilger mit Blödsinn voll, dass ich voll meine tiefgehende Gedanken verloren hab… er meint, ich soll schreiben, dass mir heute ein Pferd entgegen kam, dessen Reiter engelsgleiches Haar hatte und so kram… dass das Pferd mich traurig angeguckt hatte und so… das war so doof und fehlplatziert, dass ich grad kognitiv und intellektuell in nem Vakuum bin..

Aber ich hörs mir ja freiwillig an.

So und nu sitzt der Typ neben nem koreanischen Priester und versucht ihm zu erklären was Bratzen sind. 😑 „So n dummes, blödes Kind, dass keine Ahnung hat.“, ist seine Definition… aber er hat sich neulich auch splitterfasernackt ausgezogen nachts und aus dem Fenster gepupst.

Fuck…der Typ bringt mich so aus dem Konzept, dass ich mir grad ausversehen mit dem Finger im Auge gerieben hab, mit dem ich mir grad Pfeffer aufs Essen gestreut hab….

Ich meine, ja…. mir kam heute n Typ auf nem Pferd entgegen…aber er sah voll normal aus…kein engelsgleiches Haar… was spooky war, war, dass mir 10 Minuten später ein Pferd völlig alleine entgegen kam… gesattelt.. und ich fragte mich, ob jemand wohl gestürzt war. Ich habe aber niemanden gesehen. Gottseidank.

Pferde sind mir suspekt. Sie haben vor allem Angst obwohl sie jeden Menschen wegnuken könnten… komische Viecher… und sie geben kaum Milch. Ich frag mich, ob Pferdinnen überhaupt Euter haben… müssen sie ja… ich muss das mal recherchieren. 🤔 wenn sie Euter haben, muss man sie auch melken können und Pferdemilchkäse machen können.

Aber wer von euch hat je was von Pferdemilchkäse gehört? Richtig! Niemand.

Vielleicht säugen sie ihre Babys auch eh nicht, sonder legen Eier… es ist generell immer alles möglich.

Hmmm…Pferdeomlette

Doch zunächst einmal erwachte ich und war von wütenden Pilgern umgeben.

Ich fragte mich, was ich wohl angestellt haben konnte. Vielleicht hat mein Schlaf-Ich Trompete gespielt oder so.

Es stellte sich aber heraus, dass bei uns im Zimmer einige Amis wohl bis 2 Uhr Nachts hart gesoffen haben und laut waren und im Zimmer Licht angemacht haben und so…

Und grade ich Prinzessin auf der Erbse hab davon nix mitgekriegt. Ich hatte mein White Noise an und hab das voll verschlafen….

Ich erinnere mich, dass mal im Sommer, wo ich mit offenem Fenster geschlafen hab, im Nachbarhaus der Blitz eingeschlagen ist, mit Feuerwehrgroßeinsatz und ichs nich mitbekommen hab.

Und weil ich ne intellektuelle Sackgasse bin, vor allem morgens, sagte ich nur ganz unbestimmt Dinge wie „Ungeheuerlich!“ „Frechheit!“ „Beim Teutates!“ Oder so…

Das sind übrigens meine Füße…nur damit ihr mal nen Eindruck von meinem täglichen Schmerzlevel habt 🙂

Die Straße ging heute in einem sanften Bergauf ca 23km nach La Faba an einer Straße lang und das machte es anstrengend. Der Weg an sich war es nicht.

Doch bevor ich heute Marita treffen konnte, worüber ich mich sehr freute, traf ich meine beiden Australier wieder mit denen ich immer gern plauderte und einen Pilger, den ich in Conques, Frankreich, getroffen hatte.

Ich kam mit ihm ins Gespräch und führte mein wohl längstes Gespräch beim Laufen auf dem Camino über alles mögliche mit ihm.

Er heißt Florian und ust aus Genf losgegangen und brutal sympathisch 🙂

Wir redeten viel übers Pilgern, Frankreich, Gründe fürs Pilgern und das Leben an sich… und irgendwann kam das Thema auf Gott.

Er sagt. Angesichts der Ungeheuerlichkeit einer Existenz ist der Gedanke an Gott eine logische Konsequenz. Und das deckt sich mit meinen Gedanken dazu.

Auf die Frage, ob Gott mit ihm redet, sagte er: „Stell dir mal vor du bist Gott und die Leute kommen nur zu dir wenn sie was wollen.“

Ich dachte zuerst so „Hä? Er hat uns doch bedürftig erschaffen. Er hätte uns auch zu geilen Lichtwesen mache können, die durch den Äther schweben und Sonnenlicht essen. Aber er hat uns Körper gegeben, die altern, Hunger haben, Schmerzen können und frieren“

Irgendwann verstand ich aber was er meinte… er meinte, wir sollten unser Glück nicht von Gott abhängig machen, sondern es uns erarbeiten und das genießen, was zu genießen ist… seh ich ja am Camino… die Belohnungen hier muss man sich erarbeiten und am Wegrand liegt eh so viel Gutes.

Florian meinte, er sagt Gott lieber danke, statt darauf zu warten, dass er uns in Krisen beisteht… generell sieht er Gott auch nicht als Person oder so, sondern eher als die Gesamtheit allen Seins

Runtergebrochen heißt das, dass Gott Alles ist, aber er nicht in Stimmen mit uns Redet, sondern durch Zeichen, Ereignisse und Begegnungen.

Das versöhnte mich ein Stückweit wieder mit Gott, löst meinen Konflikt aber noch nicht vollständig.

Danke für das tolle Gespräch, Florian und Bon Camino.

Tja und nach einem Aufstieg kam ich dann in La Faba an und traf endlich in einer deutschen Herberge auf Marita und ihren Mann.

Ich kenne sie durch meinen Blog vom ersten Jakobsweg und sind immer in Kontakt geblieben und es ist toll, sie endlich zu treffen :))

Marita Pilgert selbst und ist ehrenamtliche Hospitalera… dafür muss man einfach auch Danke sagen… es sind Leute wie sie, die unserem Weg eine Infrastruktur geben und zu etwas besonderem machen…

Stellvertretend für alle: Danke Marita 😉

Sie ist die nächsten 10 Tage in La Faba..ne tolle Herberge auf dem Weg zum O’Cebreiro… geht da gerne hin, es ist ne gute Herberge…

Oh..und sie brachte mir Unterwäsche mit 😅 Du bist mein persönlicher Caminoengel, Marita ^^

Ich hoffe, wir sehen uns noch öfter.

So… kommt n Pferd inne Bar und sagt „Ich hab meinen Job verloren und prostituier mich jetzt.“ Ruft ein Gast: „Ich hätte Intetesse.“…. Ach ne… der ging irgendwie anders … 🤔

Morgen geht’s erstmal auf den O’Cebreiro ^^ das wird nochmal nice ^^

N8

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