
Die letzten Tage zu beschreiben ist schwer… man müsste einen eigenen Superlativ erfinden und alles, was eh schon unbegreiflich war, wurde ständig getoppt.
Mein Ankommtag war ja super, hatte ich ja im letzten Beitrag schon geschrieben. Abends traf ich mich dann mit einigen Leuten zu einigen Bieren und jemand erzählte mir, dass der große Weihrauchkessel geschwenkt werden würde, da jemand gespendet hätte.

Da ursprünglich die Pilger auch in der Kirche schliefen, wurde Weihrauch zum einen genutzt, um deren Gestank zu überdecken und zum anderen, um die Luft zu desinfizieren.
Dennoch hatte Weihrauch immer uch einen spirituellen Aspekt und sollte die Gebete und Anliegen der Pilger zu Gott und Jakobus bringen.
Das Weihrauchfass in Finisterre ist Weltberühmt. Es wurde früher regelmäßig geschwenkt, heute aber nur noch an sehr hohen Feiertagen und wenn jemand 500 Euro spendet… das ganze also mal zu erleben ist nicht selbstverständlich und glück und ich habe Pilger getroffen, die seit 6 Jahren Pilgern und es nie erlebt haben.
Ich aber bekam die Info, dass jemand für den nächsten Tag gespendet hätte und stellte deshalb meinen Finisterreplan um, was sich als Glücksfall erweisen sollte.
Eigentlich wollte ich gestern fahren, so fahre ich heute und morgen wieder zurück.
Dementsprechend stromerte ich dann gestern auf der Suche nah nem Geldautomat durch die Gegend und ..
Vorsicht, camino-alarm!!!
Erinnert ihr euch an die Frau mit dem krebskranken Kind eines Freundes? Ich traf sie ganz am Anfang in Frankreich und wir führten ein echt deepes Gespräch,, dass sie innerlich gebrochen hat. Sie ging um für ein Wunder zu beten…
Auch viele der Leser hier hat das sehr berührt und nach dem Gespräch verloren sich unsere Wege. Ich musste aber oft daran denken,wie es ihr wohl geht…
Nuja… und nur weil ich abends mit den Australiern saufen war und wegen der Weihrauchgeschichte meinen Finisterreplan umwarf und blieb und nur weil ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, stand sie dann auf einmal vor mir… nach 7 Wochen… wie krass war das denn!!!
Wir fielen beide in die Arme und es war sehr emotional, denn auch für sie war das Gespräch sehr bewegend.
Darum ließen wir es uns nicht nehmen, ein gemeinsames Foto an der Kathedrale zu machen.

Un nu ratet mal: Sie akzeptiert die Erkrankung jetzt mehr und geht anders damit um … hat ne Stiftung gegründet für Kinder mit Krebserkrankungen und auf dem Weg 12000 Euro gesammelt… Meine Hochachtung…. und jetzt kommts: Der Tumor des Kindes hat aufgehört zu wachsen…
Uff!
Ich bin dankbar für das Wiedersehen und sende tausend Grüße ^^
So…und DAS ist so das Level, auf dem sich das Ankommen in Santiago so bewegt.
Völlig geplättet davon ging ich in die Kathedrale und besuchte das Jakobusgrab und knuddelte seine Statue.


Danach war Pilgergottesdienst. Ich erwartete nix, da das Weihrauchfass eh erst abends geschwenkt würde und genoss den Gottesdienst, als auf einmal der Weohrauchkessel geschwenkt wurde.

Und ja, es kam krass… alles was ich auf dem camino erlebt hatte, brach in dem Moment über mir zusammen und ich heulte einfach ^^ Aber is okay 🙂
Danach war erstmal Ruhe angesagt und um 6 machte ich dann eine spirituelle Führung auf Deutsch um die Kathedrale mit… eine weitere gute Entscheidung….
Der Guide, ein Pilger und Mitarbeiter der deutschen Jakobusgesellschaft, machte das fantastisch und brachte uns allen die Essenz der Pilgerei und des Pilgerortes Santiago näher. Er erklärte uns, dass seit dem 8. Jahrhundert Menschen nach Santiago kommen um am Grab des Apostels zu beten. Wir stehen also in einer langen Tradition.
Und damals brachen die Menschen von Zuhause auf und gingen auch wieder nach Hause. Und der Weg war selbstverständlich nicht so gut ausgebaut wie heute. Die meisten Pilger kaen krank, verlasst und ausgemergelt an.
Tatsächlich war Santiago immer einer der bedeutendsten Pilgerorte der Christenheit.
Wenn die Pilger damals Santiago erreichten,,sahen sie am Torbogen Szenen aus dem Paradies, doch das Portal wurde zerstört und seitdem begrüßt die Pilger dort La Fe, der Glaube 🙂 Sie hat die Augen verbunden, weil Gläubigen mit dem Herzen sehen und in der einen Hand ein Kreuz,in der andern eine Hostie (Hoff ich).


Die Pilger wurden direkt bei der Ankunft entkleidet und die Kleidung verbrannt. Dann wurden sie gebadet. Alles auf dem Dach ^^ hier sehr ihr noch so eine Verbrennungseinrichtung und ein Badebecken


Zum einen sollte das die Pilger reinigen aber auch sie transformieren.Sie hatten ihr altes Leben hinter sich gelassen waren jetzt als Pilger in Santiago angekommen… sie wurden gewaschen, eingekleidet und für die Heimreise aufgepäppelt.


Superspannend war die Erklärung der heiligen Pforte. Heute ist sie nur im heiligen Jahr auf, früher war sie es öfter…
Der Platz davor ist ein Friedhof…zwar zugepflastert, aber auch heute noch liegen dort hunderte von Toten Pilgern. Jedes Jahr sterben auf dem Weg nach Santiago 50 bis 100 Pilger. Und man betritt die heilige Pforte über den Platz der Toten und verlässt sie über den Platz der Lebenden… eine tolle Symbolik, denn nach der Pilgerreise beginnt man ein neues Leben.


Die selbe Bedeutung hat auch dieses Christussymbol (mir fällt der Name grad nicht ein). Alpha und Omega sind vertauscht, weil nach der Pilgerfahrt etwas altes endet und etwas neues beginnt:)

Und, liebe Freimaurer aufgemerkt, man klärte uns auch über das Jakobuskreuz auf 🙂 Nach oben hin sagt es: Liebe Gott (schau über dich), nach rechts sagt es:Liebe deinen nächsten (schau um dich) nach links sagt es: Liebe dich selbst (schau in fich)… die Spitze nach unten ist ein stilisiertes Schwert, das uns zeigt, dass wir das nie erreichen werden, aber wir uns stets bemühen sollen (die Arbeit am rauen Stein)… es war wirklich eine tolle Führung mit tollen Einblicken in die Symbolik der Kathedrale und darin, was es bedeutet, zu Pilgern. Ich bin dem seeehr viel nähergekommen und möchte 2027 definitiv nochmal genen. Dann von Zuhause. Danke für diese Führung.
Ah…und wenn ihr in den Kreuzgang geht und ihr sehr das:

Dann wisst ihr, der Weihrauchkessel wird geschwungen 🙂
Ich hatte am Abend gleich nochmal das Glück es zu erleben… 2 Mal an einem Tag… ich bin happy…. danach ging ich mit Lexi und John noch was essen und fiel glücklich danach ins Bett

Ja… im Ernst… ich hatte meine Kämpfe mit Gott und war ihm ferner denn jeh… aber mein Ankommen hier auf dem Camino war so krass…. so abgefahren, so emotional, so spirituell, tief und schön… das kann in seiner abgefahrenen Gesamtheit nicht einfach Menschengemacht sein. Vielleicht war genau DAS die Antwort von Gott, auf die ich hoffte und die ich auch brauchte… nicht mit Worten, aber durch diese abgefahrene Ankunft…vielleicht ist er da und ich muss mir drüber Gedanken machen, wie er mit mir spricht….
Die letzten Tage gehören zu den schönsten, leichtesten und unbeschwertesten in meinem Leben… danke dafür….
Den Tag drauf verbrachte ich in Finistere und dort bekam meine Seele genau den Abschied, den ich mir gewünscht hatte… ich badete im Ozean, das Wetter war toll und der Sonnenuntergang war toll…ein perfekter Tag…














Mein Camino ist mit einem guten Gefühl zuende, ohne dass etwas negatives oder wehmütiges bleibt…ich bedauere nichts…nichts, was ich noch hätte machen sollen… es ist gut und perfekt so.
Danke, Camino.


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