Tag 5: Gedanken und Gespräche… Und Panorama!

Warum Pamplona definitiv eine Reise wert ist? – Weil es einfach eine wunderschöne Stadt ist. 🙂 Wirklich. Die Stadt ist sehr alt und extrem bunt und vielfältig und die Altstadt ist ein verwinkelte Labyrinth, wo man stundenlang laufen kann und trotzdem immer etwas neues sieht. Es gibt viele kleine Geschäfte mit allerlei Waren. Und hinter jeder Ecke lauert etwas neues.

Es lohnt sich, wenn man auf Pilgerfahrt ist, hier mal einen Tag auszuspannen, denn Pamplona tut der Seele einfach gut 🙂

Der Blick zurück zeigt, wo wir herkamen und das hat echt schon was spirituelles irgendwie

Wir nutzten alle die Chance, uns zu pflegen, zu waschen, Energie zu tanken und auch seelisch auf dem Camino anzukommen. Und um mir ein neues Ladekabel zu kaufen.

Ich hatte gestern und heute eines dieser Gespräche, auf die ich hier gehofft habe. Eines von denen, die einem was geben. 🙂

In der Albergue Jesus et Maria, die echt ein Erlebnis ist, weil es eigentlich ein Flur ist, in dem Betten stehen, traf ich Nico.

Leider ist er etwas verwackelt ^^

Er ist 23, aus Milano und hatte seinen Job gekündigt und ist einfach los gezogen von Südportugal über Finisterre und Santiago bis Sjdpdp. Mittlerweile ist er 3 Monate unterwegs und bei unserem ersten Aufeinandertreffen war er schlecht drauf. Er hatte an sich das Bett neben uns, sah Hawa und mich, packte seine Sachen und ging, kam aber wieder und meinte er hätte die Nacht nicht geschlafen wegen Schnarchern… Er hatte kein Ohropax mit. Tja… Aber der Camino gibt einem, was man braucht…. Darum gab ich ihm Ohropax 🙂

So kamen wir ins Gespräch und er stellte sich als sehr nett heraus und wir plaudern seitdem viel.

Er hat das Gefühl, rastlos zu sein und kann irgendwie nicht aufhören zu reisen. Aber im Gespräch darüber sagte er dann später, dass vielleicht das Ankommen und Daheimsein seine neue Reise wäre. Dabei wünsche ich ihm viel Glück.

Für mich war es sehr wichtig, dass er sagte, es ginge nicht darum, den Weg „richtig“ zu gehen, oder von A nach B zu kommen. Wichtig ist es, MEINEN Weg zu gehen und das in MEINER Geschwindigkeit. Es ist mein Camino und jeder geht seinen eigenen. Und das war schon wichtig, denn ich Vergleiche mich schon oft mit anderen und versuche dann alles nach den Maßstäben anderer richtig zu machen und scheitere dann daran. Vielleicht auch, weil ich MEINE Art und Weise immer als mangelhaft oder seltsam empfinde.

Doch genau darum geht es, sagte Nico. Es kommt kein Spirituelles Wesen und sagt dir „Nu kriegst die oberfettkrasse Durchblicksdröhnung, yo!“, sondern du lernst dich hier mit deinen Fähigkeiten und Grenzen im Hier und Jetzt neu kennen. Du kannst dich austesten und dir vertrauen lernen, denn dein Körper bringt dich mal eben 800km weit durch Nordspanien.

Das war ein wertvolles Gespräch und ich nehme mir jetzt vor, mein Tempo zu gehen und nicht krampfhaft von A nach B zu kommen… Der Camino lehrt mich also jetzt schon 🙂

Und er gibt mir Tortillas, mein neues Leibgericht!

Ich freue mich auf die nächsten Etappen habe schon jetzt das Gefühl, dass der Camino zu den Leuten spricht, die bereit sind, zuzuhören! Ich habe heute beim In-mich-reinhorchen gehört, dass ich doch noch etwas meiner Exbeziehung nachtrauer und werde da mal reinhorchen.

Zum Ende hin möchte ich noch mal ein paar andere Sachen loswerden:

Meine Idee einen Blog zu schreiben bekam ich, als ich in der Vorbereitung andere Reisebericht las und gemerkt habe, wie wichtig, spannend und berührend solche Berichte sein können 🙂 Darum Leute: Lest Blogs und vor allem, liebe Blogger, die hier mitlesen, Postet mal eure Blog Adressen in die Kommentare 🙂 Ich weiß dass die einige hier begeistern werden, denn auch ich lese sie gerne.

Als zweites: Alle reden immer von den Camino Führern. Ich habe den von Rother und nicht einmal reingeschaut. Was ich aber nutze, ist die App.

Es gibt auch andere, aber ich nutze die. Gerade, wenn ihr eigene Etappen geht oder im Winter oder so , ist diese App super, denn ihr habt auch in den tiefsten Bergen Netz und die App zeigt euch die Route, die nächsten Herbergen, Kontaktdaten, wie teuer, geöffnet oder nicht… Super Teil. Ist MEINE Meinung 🙂 Bildet euch eine eigene ^^

Morgen geht es wieder on the Camino und ich hab meine Blasen verarztet und hau mich gleich ne Runde hin.

Es ist toll, dass ihr alle. Dabei seid 🙂 Ohne euch wär der Blog doof 🙂

Überlegt hier jemand, selbst den Camino zu gehen?

So und mit diesem Gruß an den guten Stefan P verabschiede ich mich bis zum nächsten Eintrag.

Kommentare

16 Kommentare zu „Tag 5: Gedanken und Gespräche… Und Panorama!“

  1. Avatar von jewosreisen

    Ja, Du bist wirklich schon auf „Deinem Weg“ angekommen, wie mir scheint. Bleib dabei, Dich dem zu öffnen, was sich Dir zeigt.
    Ich bin gespannt auf Deinen nächsten Bericht.
    Und… ja, Pamplona alleine ist eine Reise wert.
    Ich werde mit meinem Mann im Januar 14 Tage dort verbringen, in der Casa Paderborn, zum Spanischkurs für Herbergseltern

    1. Avatar von pandabaerh

      Oh das ist ja cool 🙂 genießt es. Ihr seid sicher tolle Herbergseltern ^^

  2. Avatar von Julia
    Julia

    Wow, ich finde deine Aussagen und Sichtweisen echt interessant, klingt, als würde jemand ausdrücken, wie ich mich oft fühle. Die Erkenntnis, dass jeder SEINEN Weg gehen muss, hatte ich zwar auch, kann es aber bis heute nicht akzeptieren, dass ich nicht so locker und leicht wie andere durch den Camino komme. Aber genau das störte mich auch schon vorher und der Camino hat es mir dann immer wieder vor Augen geführt.
    Ich freu mich jedenfalls, durch deine Bilder jede Etappe meines Camino wieder auf’s Neue zu durchleben :-). Buen Camino, Julie

    1. Avatar von pandabaerh

      Hmm… Ja stimmt, bei den anderen sieht das oft mega einfach aus. Aber wer weiß, welche Lasten sie mitschleppen. Und wie stolz du sein kannst, wenn du den Camino beendet, obwohl es dir schwerfällt. Es heißt doch immer so schön: Per Aspera ad Astra – durch das Raue zu den Sternen. Wenn du dir einen Erfolg erlitten hast, strahlt er für dich umso heller ^^

  3. Avatar von Stefan
    Stefan

    Hat etwas Prophetisches, das mit dem Laden :)… Danke

    1. Avatar von pandabaerh

      Yeah, sag ich doch ^^ 2020

  4. Avatar von Ellen Fehlow

    Hallo Krischan, ich hatte heute noch etwas nachgeschoben auf den gestrigen Pilgertag: ein Hinweis auf einen , von Deutschen geführten, Pilgershop
    – mit dem Hintergrund der med. Versorgung der ‚Pilgerleiden‘ …
    Bei meiner Ankunft in Pamplona am 26.06.2017 hatte ich schon 62 Tage unter meinen Füßen. Pause wäre wirklich sehr schön gewesen, wenn ich jetzt deinen Bericht lese… Ich schlief in der selben Herberge, die ich „aufregend schön“ fand, wie eigentlich auch Rocesvalles. Als ich diese beiden Herbergen frequentierte waren sie brechend voll!
    In dieser langen Zeit meiner Wanderung, ich ging alleine, hüpfte mein Herz immer noch – war doch das Ziel das Ende der alten Welt – so hatte ich nicht das Bedürfnis zu pausieren. Später habe ich mal formuliert: es ist wie bei einem Strudel, je näher man dem Sog (gemeint Ziel) kommt um so weniger gibt es die Möglichkeit dem Sog zu entkommen. Nicht das ich immer schneller wurde. Mein Körper war auf Laufen programmiert. 😉
    Später gab es Tage da schrie mein Körper „Pauuuuse“, nur ich könnte nicht pausieren… so ging ich 2x hintereinander nur 10 km…
    Hinterher war der ‚Anfall‘ vorüber.
    Habe morgen einen guten Tag, achte auf deinen Körper und genieße jeden Schritt! Herzliche Grüße Ellen 😍🌻🙏🏻

    1. Avatar von pandabaerh

      Oha… Dich hats voll gepackt gehabt, oder? 🙂 bereust Du es? Ich denke, Du bist einfach in den Camino eingetaucht und das ist gut. Wirst Du ihn nochmal gehen ?

  5. Avatar von Audrey im Wanderland

    Heute erwartet dich ja schon wieder ein Meilenstein! Die Pilger-Figuren auf dem Berg (Name vergessen). Das war für mich damals ein echtes Highlight, weil ich sie nur aus den Vorberichten kannte und jetzt plötzlich davor stand.
    Hast du gestern wie versprochen Pintxos und Rosado gehabt?
    Und falls du es schaffst, geh unbedingt den Abstecher nach Eunate, klettere über die Mauer, umrunde sie dreimal und erlebe vielleicht auch das Wunder von Eunate! https://audreyimwanderland.com/2018/05/20/caminofrances_etappe5/

    1. Avatar von pandabaerh

      Oh man Audrey, das war so geil ey… Krass… Hab ich schon erwähnt, wie gern ich deinen Blog mag?

      1. Avatar von Audrey im Wanderland

        Sagtest du mal, glaub ich 😊
        Und ich freu mich total, dass du jetzt deinen Camino und deinen Blog hast und verfolge gespannt-neidisch, was du so treibst 😉🎒

  6. Avatar von Michael
    Michael

    Ja, das scheint auch mir mithin das Wichtigste: Geh deinen Weg in deinem Tempo, in deinem Rhythmus. Vergleich mit anderen greifen immer zu kurz und immer daneben. Du wirst immer Leute finden, die schneller oder langsamer, stärker oder schwächer sind als du. Aber was heisst das schon? Hinter mancher Stärke verbirgt sich eine Schwäche und hinter so mancher Schwäche schlummert eine Stärke. Vergleiche bringen niemanden weiter. Weiter bringen einen die eigenen Schritte im eigenen Tempo und im eigenen Rhythmus.

    In diesem Sinne weiterhin: Buen Camino, einen guten Weg!

    1. Avatar von pandabaerh

      Danke Michael 🙂 klingt als wärst du den Camino auch schon gegangen. Wie war es für dich?

      1. Avatar von Michael
        Michael

        Ich habe jeden Schritt genossen. Naja, fast jeden. In der Schweiz war es eher einsam, in Frankreich vor Le Puy-en-Velay auch. Danach waren etwas mehr Leute unterwegs, nach Moissac wieder weniger. Da ging es auch meinem Fuss immer besser. In Saint-Jean-Pied-de-Port und Roncesvalles (Ende November) kamen dann all die Pilger dazu, die den «ganzen Jakobsweg» gehen wollten und nicht bloss die letzten 100 Kilometer. In Spanien fand ich es dann schwieriger. Viel mehr Leute, die Sprache, die ich nicht konnte, viel mehr Regen (den hatte ich davor nur ganz selten erlebt), plötzlich kalt (zwischen -5°C und +5°C), dann gegen Ende in Galicien sehr schönes Wetter. Am Schluss am Meer sogar teilweise Sonnenschein und relativ warm. Nur Schnee hatte ich nicht. Ein einmaliges Erlebnis. (Hatte dir auf Facebook in der Camino-Gruppe auch den einen oder anderen Hinweis gegeben vor deinem Aufbruch.)

  7. Avatar von liladistel

    Danke, dass du deine Erlebnisse und Gedanken mit uns teilst. Und ja: Es ist wichtig, deinen eigenen Weg zu gehen. Dein Tempo, dein Rhythmus, deine Gedanken. Das geht nur, wenn du dich nicht mit anderen vergleichst und dich nicht an andere anpasst. Das habe auch ich immer mehr gelernt, je weiter ich gegangen bin. Mich nicht von anderen beeinflussen zu lassen, sondern meinen Weg zu gehen. Das war eine wichtige Erkenntnis, die ich von meinem Weg mitgenommen habe.
    Die App habe ich auch sehr viel genutzt und kann sie nur empfehlen. Ich habe sie immer noch auf meinem Handy. Bringe es nicht übers Herz, sie zu löschen, weil sie ja auch meinen Weg mit seinen einzelnen Etappen dokumentiert ^^
    Und weil du nach unseren Blogs gefragt hast: Ich habe meine Erfahrungen hier aufgeschrieben: https://nocheinveganerblog.wordpress.com/2018/02/04/mein-jakobsweg-teil-1-vor-dem-weg/ Nicht von unterwegs, sondern im Rückblick, als ich wieder zu Hause war.
    Ich wünsche dir weiterhin einen guten Weg und gehe in Gedanken mit (:
    Ultreia!
    LG Elke

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