Das treibt mich schon etwas um..
Doch erst einmal genoss ich den freien Tag in Burgos und beging ihn mit guten, aber auch nachdenklichen Gefühlen…

Burgos hat etwa halb so viele Einwohner wie Hannover, oder etwa so viele wie Oldenburg, besticht aber durch mondänen Flair, großstädtische Attitüde und allgegenwärtiger Geschichte. Burgos war Königsstadt und Widerstandshochburg gegen die Mauren und dementsprechend sieht man hier überall Statuen von Männern und Frauen mit Schwertern, die Mauren abschlachten… Aber dass diese Stadt Geschichte atmet, sieht man an jeder Ecke, dazu braucht es den prachtvollen Dom, der von Deutschen maßgeblich mitgebaut wurde, nicht. Geschichte hat es hier überall.



Doch auch so traut sich die Stadt offen und schön zu sein… Das mag ich. Allerdings ist es hier morgens Saukalt.
Ich stiefelte zur Post um Sachen nach Pamplona zu schicken, doch 20 Euro, Aufbewahrung für 15 Tage, danach 1 Euro pro Tag sind für mich zuviel. Ich hab grad noch 150 für den Rest des Januar und nichtmal ne Ahnung wie ich nach Hause komme.
Darum schleppe ich lieber mein Zeug.


Ich schlenderte durch die Gassen und würde von vielen Leuten komisch angeguggt, bis mir auffiel, wie lumpig und abgeranzt ich aussehe… Beim pilgern mag ichs zweckmäßig und. Bequem und ich checkte nicht dass ich grad in Jogginghose, die Socken über der Hose und ohne Haargel durch die Straßen rockt und sicher aussah, wie n Landstreicher.


Da ich auf Pilgerfahrt bin, wollte ich mir den Dom nicht entgehen lassen. Für Pilger gibt’s nen extra Preis und nen Stempel obendrauf und man muss halt echt zugeben, dass der Dom schon krass aussieht… Sowas hat man noch nicht gesehen.



Ist schon beeindruckend.
Ich also rein, ganz Tourie mäßig nen Hörer mit Infos bekommen und mich erschlagen lassen, von der Pracht und dem Gold und der Größe.









Aber ich wurde auch nachdenklich bei all der Pracht. Ich meine… Wessen Bauwerk ist es? Überall sind Gräber von diversen Leuten, fette Statuen. Egal wo man beten wollte, man muss immer erstmal an nem Grab vorbei.. Es ist wie ein Mausoleum aus Alabaster und Marmor und ich frage mich unwillkürlich, wo ist da das Christentum? Klar, es prangt aus jeder Ecke.. Aber wo ist die Hinwendung zur Einfachheit und zum Miteinander, was Jesus immer gepredigt hat? Dieses „sich besinnen aufs Himmelreich und ein gutes Leben im Jetzt“?
Ich Stiefel seit Wochen durch die Berge und den Matsch, nur mit dem Nötigsten, 800km nach Santiago um in einen Dialog mit mir und Gott/den Göttern zu kommen. Ich hab Blasen an den Füßen, alles tut mir weh und ich verzichte auf vieles und komm dann in so nen Überflusspalast, wo ich mich frage, welches Christentum da gefeiert wird? Das war für mich heute n bissl Culture clash und Überforderung. Klar war es schön, aber ich fühle mich Gott und dem Christlichen Gedanken von Rücksichtnahme, Nächstenliebe und Mitgefühl auf dem Camino näher, als umgeben von dem in Gold gemalten Leiden Jesus…


Ist es Gott oder Jesus oder Maria, denen dort gedacht wird, oder haben sich da gewisse Leute selbst ein Denkmal gesetzt?
Ich vermag da kein Urteil zu fällen. Mag sein, dass sich manch einer Gott in solchen Gebäuden näher fühlt. Doch ich finde Gott lieber im Camino.
Und heute gab mir der Camino nicht nur was ich brauchte, sondern auch, was ich mir wünschte … Und zwar in Form von Hawa und Sky, die ich endlich wiedersehen konnte, nachdem unsere Lauftage sich verschoben habe und die ich morgen wieder verlasse… Als auch in Form einer RIESEN Pizza… Oh man, das brauchte ich sooooo sehr… Danke Camino… Und danke auch, dass es mit der Pizza in Logrono nicht klappte, so dass ich stattdessen ein tolles Weihnachtsfest in der Albergue hatte..
Ich bin jetzt 2 Wochen unterwegs, es fühlt sich an, wie eine Ewigkeit und ich hab schon soooo viel erlebt… Ein wirklich großes und denkwürdigen Abenteuer.. Und ja, ich hab die Pizza geschafft!
Euch allen ein frohes neues Jahr
Euer verfressener Pandabär


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