Tag 17: Hoffentlich behält nicht Cersei Lannister den Thron…

Das treibt mich schon etwas um..

Doch erst einmal genoss ich den freien Tag in Burgos und beging ihn mit guten, aber auch nachdenklichen Gefühlen…

Burgos hat etwa halb so viele Einwohner wie Hannover, oder etwa so viele wie Oldenburg, besticht aber durch mondänen Flair, großstädtische Attitüde und allgegenwärtiger Geschichte. Burgos war Königsstadt und Widerstandshochburg gegen die Mauren und dementsprechend sieht man hier überall Statuen von Männern und Frauen mit Schwertern, die Mauren abschlachten… Aber dass diese Stadt Geschichte atmet, sieht man an jeder Ecke, dazu braucht es den prachtvollen Dom, der von Deutschen maßgeblich mitgebaut wurde, nicht. Geschichte hat es hier überall.

Doch auch so traut sich die Stadt offen und schön zu sein… Das mag ich. Allerdings ist es hier morgens Saukalt.

Ich stiefelte zur Post um Sachen nach Pamplona zu schicken, doch 20 Euro, Aufbewahrung für 15 Tage, danach 1 Euro pro Tag sind für mich zuviel. Ich hab grad noch 150 für den Rest des Januar und nichtmal ne Ahnung wie ich nach Hause komme.

Darum schleppe ich lieber mein Zeug.

Ich schlenderte durch die Gassen und würde von vielen Leuten komisch angeguggt, bis mir auffiel, wie lumpig und abgeranzt ich aussehe… Beim pilgern mag ichs zweckmäßig und. Bequem und ich checkte nicht dass ich grad in Jogginghose, die Socken über der Hose und ohne Haargel durch die Straßen rockt und sicher aussah, wie n Landstreicher.

Da ich auf Pilgerfahrt bin, wollte ich mir den Dom nicht entgehen lassen. Für Pilger gibt’s nen extra Preis und nen Stempel obendrauf und man muss halt echt zugeben, dass der Dom schon krass aussieht… Sowas hat man noch nicht gesehen.

Ist schon beeindruckend.

Ich also rein, ganz Tourie mäßig nen Hörer mit Infos bekommen und mich erschlagen lassen, von der Pracht und dem Gold und der Größe.

Aber ich wurde auch nachdenklich bei all der Pracht. Ich meine… Wessen Bauwerk ist es? Überall sind Gräber von diversen Leuten, fette Statuen. Egal wo man beten wollte, man muss immer erstmal an nem Grab vorbei.. Es ist wie ein Mausoleum aus Alabaster und Marmor und ich frage mich unwillkürlich, wo ist da das Christentum? Klar, es prangt aus jeder Ecke.. Aber wo ist die Hinwendung zur Einfachheit und zum Miteinander, was Jesus immer gepredigt hat? Dieses „sich besinnen aufs Himmelreich und ein gutes Leben im Jetzt“?

Ich Stiefel seit Wochen durch die Berge und den Matsch, nur mit dem Nötigsten, 800km nach Santiago um in einen Dialog mit mir und Gott/den Göttern zu kommen. Ich hab Blasen an den Füßen, alles tut mir weh und ich verzichte auf vieles und komm dann in so nen Überflusspalast, wo ich mich frage, welches Christentum da gefeiert wird? Das war für mich heute n bissl Culture clash und Überforderung. Klar war es schön, aber ich fühle mich Gott und dem Christlichen Gedanken von Rücksichtnahme, Nächstenliebe und Mitgefühl auf dem Camino näher, als umgeben von dem in Gold gemalten Leiden Jesus…

Ist es Gott oder Jesus oder Maria, denen dort gedacht wird, oder haben sich da gewisse Leute selbst ein Denkmal gesetzt?

Ich vermag da kein Urteil zu fällen. Mag sein, dass sich manch einer Gott in solchen Gebäuden näher fühlt. Doch ich finde Gott lieber im Camino.

Und heute gab mir der Camino nicht nur was ich brauchte, sondern auch, was ich mir wünschte … Und zwar in Form von Hawa und Sky, die ich endlich wiedersehen konnte, nachdem unsere Lauftage sich verschoben habe und die ich morgen wieder verlasse… Als auch in Form einer RIESEN Pizza… Oh man, das brauchte ich sooooo sehr… Danke Camino… Und danke auch, dass es mit der Pizza in Logrono nicht klappte, so dass ich stattdessen ein tolles Weihnachtsfest in der Albergue hatte..

Ich bin jetzt 2 Wochen unterwegs, es fühlt sich an, wie eine Ewigkeit und ich hab schon soooo viel erlebt… Ein wirklich großes und denkwürdigen Abenteuer.. Und ja, ich hab die Pizza geschafft!

Euch allen ein frohes neues Jahr

Euer verfressener Pandabär

Kommentare

4 Kommentare zu „Tag 17: Hoffentlich behält nicht Cersei Lannister den Thron…“

  1. Avatar von Jacqueline Richter
    Jacqueline Richter

    Ach Traumkind…is schon krass, das Dich auf Deinem Camino von hier, vom Anderen Ende des Internets, zu begleiten, auch so seine Auswirkungen zeigt…:) bin grad auch recht nachdenklich…:) bin mir aber bei einem schon sicher, das ich als Freundin schon ne Niete bin…ich tue mich echt schwer im Kontakt halten…aber ich hab schon nen guten Vorsatz fürs neue Jahr…:)

  2. Avatar von weltenbummlerin

    Ich wünsche dir einen wunderschönen Jahreswechsel am Camino 🍀🥂🐷🍾 wir lesen uns.

  3. Avatar von jewosreisen

    Da hättest Du heute aber einen nachdenklichen Tag.
    Warum willst Du Klamotten nach Pamplona schicken, hast Du ab da Deinen Rückflug?
    Komm gut ins Neue Jahr, und geh gut weiter

  4. Avatar von Jana
    Jana

    Feliz año nuevo, peregrino!
    Die goldenen Leiden Jesu Christi haben mir auch oft Unbehagen bereitet… Ich kann gut verstehen, dass diese Diskrepanz zwischen Einfachheit und Prunk dich beschäftigen. Mir ging es ebenso!
    Letztendlich war ich auch froh, Burgos wieder verlassen zu können und in der Meseta habe ich meinen Kopf wieder frei bekommen. Ich bin bis nach Hornillos gelaufen und habe dort in der kleinen privaten Herberg Sol y sol übernachtet. Sie hat aber im Winter leider nicht offen. Samuel, der Besitzer hat übrigens einen besonderen Bezug zum Film „The way“, falls du diesen kennst. Aber einen Tipp zum Essen möchte ich dir gerne geben, falls er dich nicht zu spät erreicht (Silvester hatte mich gestern fest im Griff mit Vorbereitungen für den gemeinsamen Jahresausklang mit lieben Freunden): Der „Green Tree“ ist die Adresse für alle Vegetarier und Veganer! Irgendwo im Nirgendwo eine solche Oase zu finden war für mich DIE Sensation. Am Ende von Hornillos kurz vor dem Ortsausgang. Hornillos heißt übrigens „Öfchen“ 🙂
    Leider hat auch in der nächsten Station, die ich ansteuerte – Boadilla del camino – die Wohlfühl-Albuerge En el camino meines Wissens im Winter nicht offen… Falls doch, gönne sie dir!
    Dann solltest du dir schon Gedanken machen, was du mit dem 18 KM-Stück nach Carrion de los condes vorhast. Ich empfehle dir, in Carrion zu übernachten, die Herberge Espiritu Santo in einem alten Schulgebäude sollte ganzjährig offen haben und es gibt dort Einzelbetten! Ich bin am folgenden Tag dann noch nach dem 18 KM-Stück weiter bis Ledigos gelaufen und habe dort in der privaten Herberge La Morena übernachtet. Es war ein kalter, nasser Tag und dort gibt es einen Aufenthaltsraum für die Pilger mit Kamin! Genial – und Rotwein kann man in der dazugehörigen Bar kaufen! La Morena hat laut dem „Gelben“ ganzjährig geöffnet.
    Und dann noch ein lezter Tipp für den 6.1. Das ist der Tag der „reyes“, der heiligen drei Könige, die den Kindern Geschenke bringen. In größeren Dörfern oder Städten gibt es an diesem Tag Umzüge mit den Königen – sehr schön, sehr spanisch. Und wenn ihr zu mehreren seid: Kauft euch in einer Bäckerei einen „roscon“, einen runden süßen Hefeteigkranz und esst ihn gemeinsam. Im Roscon ist mindestens eine Kleinigkeit versteckt. Wer bei seinem Schnitt in den roscon darauf stößt oder sie in seinem Stück findet, ist für diesen Abend der König. Zu jedem roscon gibt es nämlich üblicherweise eine goldene Krone aus Papier dazu und der König darf diese dann natürlich aufsetzen. Das ist eine Tradition in Spanien, die nachmittags in den Familien oder mit Freunden gepflegt wird, bevor es raus zum Umzug geht.
    Weiterhin Buen camino!

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