
Doch zuerst einmal war ich froh, die Nacht in der gruseligen Herberge in Atapuerca lebendig und mit allen Organen überstanden zu haben. Zumindest habe ich keine Operationsnarben entdecken können. Der betrunkene Hospitalero stand Nachts noch im Schlafraum und hat aggressiv rumgelabert.. Zumindest hörte es sich so an… Ich kann diese Albergue echt nicht weiterempfehlen. Falls jemand aber gute Erfahrungen mit „La Hutte“ gemacht hat…. Schreibt es in die Kommentare… Ich zumindest verließ um 6 fluchtartig die Albergue und war froh, da weg zu sein.
Vielleicht kam mir das aber auch nur so schlimm vor, denn ich merke hier auf dem Camino schon, dass ich es zwar unkonventionell und n bissl hippieesque mag, aber schon gesichert und geordnet. Auch ne wichtige und gute Erfahrung. Denn bisher hielt ich mich für nen krassen Einzelgänger und Sonderling. Vielleicht muss sich das aber garnicht ausschließen, wenn man sich einfach die richtigen Lebensumstände schafft.
Naja.. Ich war on the road again und düste I’m Sauseschritt weg aus Atapuerca und habe per Whattsapp alle Nachfolgenden gewarnt dorthin zu gehen… Vielleicht ist das gemein, kommt mir aber richtig vor.


Hinter Atapuerca ging es bergauf, doch wo ich noch vor 2 Wochen barbiemäßig in Tränen ausgebrochen wäre, weil es 10 Meter hochgeht, mach ich das heute mit links. Ich lachte dem Schicksal also ins Gesicht und kraxelte grazil wie ein Sofa den Gang hinauf…. Ihr wisst schon… Sofas sind nicht grazil., ne? ^^


Oben angekommen stand da n Kreuz. Ich hab echt versucht, darin etwas besonderes und ergreifendes zu sehen, aber ich stand da halt einfach nur rum und nix ergriff mich…. Ausser ein fieser, kalter Wind, denn es war echt kalt… Der Boden war gefroren und Eis auf dem Pfützen und so.
Von oben konnte ich schon Burgos sehen, doch wieder mal sollten 4 Stunden vergehen, bevor ich es erreichte.
Erstmal begann der Abstieg in die Ebene und eine Tour über die kleinen Dörfer.

Unten angekommen raschelte es und plötzlich standen 2 riesige Typen mit Tüchern vor dem Mund, in so Tarnklamotten mit Gewehren vor mir. Ich war natürlich erst einmal geschockt. Sie redeten auf spanisch mit mir. Ich verstand natürlich nichts. Aber da es nicht das erste Mal war, dass jemand mit ner Waffe vor mir stand (Sorry Mutter, wenn du es auf diese Weise erfährst), bewahrte ich trotz Angst nen kühlen Kopf, wusste aber nicht was sie wollen. Wollen sie mich ausrauben? Sinds Soldaten? Die reden weiter auf mich ein und einer holt sein Handy raus und übersetzt mir: „Du brauchst keine Angst haben, wir jagen Wildschweine.“ Eine interessante Art, jemandem zu sagen, er soll keine Angst haben 😀

Ein weises Wandgemälde. Und mit dieser Frage setzte ich meinen Weg fort und kam in Burgos an. Gottseidank. Denn der Weg war nicht immer leicht zu finden diesmal. Doch irgendwann kam ich an. In Burgos hatte ich erstmal nen krassen Fressflash… Aber man verbrennt beim Pilgern auch viel. In Burgos werde ich Sachen nach Santiago schicken, mich erholen, einkaufen und nen Tag Pause machen.
Ich wundere mich immer wieder und freue mich, wie viele Leute einem Buen Camino wünschen… Und was mir aufgefallen ist ist, dass gerade die Radfahrer unheimlich hilfsbereit sind… Ist man mal abseits vom Weg, kommen sie sofort und sagen einem wo der Camino ist.. Das ist cool.


Ich holte mir noch nen Falaffel und dann geht’s gleich ins Bett 🙂 Gute Nacht

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