Tag 16: Captain Fressflash is back…

Doch zuerst einmal war ich froh, die Nacht in der gruseligen Herberge in Atapuerca lebendig und mit allen Organen überstanden zu haben. Zumindest habe ich keine Operationsnarben entdecken können. Der betrunkene Hospitalero stand Nachts noch im Schlafraum und hat aggressiv rumgelabert.. Zumindest hörte es sich so an… Ich kann diese Albergue echt nicht weiterempfehlen. Falls jemand aber gute Erfahrungen mit „La Hutte“ gemacht hat…. Schreibt es in die Kommentare… Ich zumindest verließ um 6 fluchtartig die Albergue und war froh, da weg zu sein.

Vielleicht kam mir das aber auch nur so schlimm vor, denn ich merke hier auf dem Camino schon, dass ich es zwar unkonventionell und n bissl hippieesque mag, aber schon gesichert und geordnet. Auch ne wichtige und gute Erfahrung. Denn bisher hielt ich mich für nen krassen Einzelgänger und Sonderling. Vielleicht muss sich das aber garnicht ausschließen, wenn man sich einfach die richtigen Lebensumstände schafft.

Naja.. Ich war on the road again und düste I’m Sauseschritt weg aus Atapuerca und habe per Whattsapp alle Nachfolgenden gewarnt dorthin zu gehen… Vielleicht ist das gemein, kommt mir aber richtig vor.

Hinter Atapuerca ging es bergauf, doch wo ich noch vor 2 Wochen barbiemäßig in Tränen ausgebrochen wäre, weil es 10 Meter hochgeht, mach ich das heute mit links. Ich lachte dem Schicksal also ins Gesicht und kraxelte grazil wie ein Sofa den Gang hinauf…. Ihr wisst schon… Sofas sind nicht grazil., ne? ^^

Oben angekommen stand da n Kreuz. Ich hab echt versucht, darin etwas besonderes und ergreifendes zu sehen, aber ich stand da halt einfach nur rum und nix ergriff mich…. Ausser ein fieser, kalter Wind, denn es war echt kalt… Der Boden war gefroren und Eis auf dem Pfützen und so.

Von oben konnte ich schon Burgos sehen, doch wieder mal sollten 4 Stunden vergehen, bevor ich es erreichte.

Erstmal begann der Abstieg in die Ebene und eine Tour über die kleinen Dörfer.

Unten angekommen raschelte es und plötzlich standen 2 riesige Typen mit Tüchern vor dem Mund, in so Tarnklamotten mit Gewehren vor mir. Ich war natürlich erst einmal geschockt. Sie redeten auf spanisch mit mir. Ich verstand natürlich nichts. Aber da es nicht das erste Mal war, dass jemand mit ner Waffe vor mir stand (Sorry Mutter, wenn du es auf diese Weise erfährst), bewahrte ich trotz Angst nen kühlen Kopf, wusste aber nicht was sie wollen. Wollen sie mich ausrauben? Sinds Soldaten? Die reden weiter auf mich ein und einer holt sein Handy raus und übersetzt mir: „Du brauchst keine Angst haben, wir jagen Wildschweine.“ Eine interessante Art, jemandem zu sagen, er soll keine Angst haben 😀

Ja, warum nicht einfach nackt Zuhause im Sessel sitzen statt sich auf dem Camino zu plagen? Das frage ich mich täglich

Ein weises Wandgemälde. Und mit dieser Frage setzte ich meinen Weg fort und kam in Burgos an. Gottseidank. Denn der Weg war nicht immer leicht zu finden diesmal. Doch irgendwann kam ich an. In Burgos hatte ich erstmal nen krassen Fressflash… Aber man verbrennt beim Pilgern auch viel. In Burgos werde ich Sachen nach Santiago schicken, mich erholen, einkaufen und nen Tag Pause machen.

Ich wundere mich immer wieder und freue mich, wie viele Leute einem Buen Camino wünschen… Und was mir aufgefallen ist ist, dass gerade die Radfahrer unheimlich hilfsbereit sind… Ist man mal abseits vom Weg, kommen sie sofort und sagen einem wo der Camino ist.. Das ist cool.

Ich holte mir noch nen Falaffel und dann geht’s gleich ins Bett 🙂 Gute Nacht

Kommentare

5 Kommentare zu „Tag 16: Captain Fressflash is back…“

  1. Avatar von Jacqueline Richter
    Jacqueline Richter

    😉 was ist verkehrt dran der krasse Aussenseiter zu sein..ich arbeite an meinem Altersplan zu crazy old Catlady zu werden schon fleissig! 🙂

    1. Avatar von Jacqueline Richter
      Jacqueline Richter

      😉 und schön das Dus überlebt hast! 😘

    2. Avatar von pandabaerh

      Du bist und bleibst mein lieblings Elfchen ❤️

  2. Avatar von Jana Roth
    Jana Roth

    Lieber Krischan,
    nun bist du also schon in Burgos – „la fria“, die Kalte wird sie auch genannt. Ich freue mich jeden Tag auf deinen Bericht und laufe „mit“ – so vertraut sind mir viele Orte, die du beschreibst. Atapuerca war zum Glück keine Station über Nacht und ich bin froh, dass du diese Herberge hinter dir gelassen hast! Doch jetzt steht Sylvester an und dafür brauchst du in Spanien etwas sehr wichtiges: Falls die Herberge Ausgang gewährt bis nach Mitternacht 😆, musst du dir Weintrauben besorgen. Um Mitternacht auf der Plaza Mayor oder wahrscheinlich auch vor der Kathedrale treffen sich dann alle Menschen und schieben sich bei jedem Glockenschlag eine Weintraube in den Mund. Ich empfehle dringend kleine Trauben, sonst droht der Erstickungstod noch bevor das neue Jahr richtig begonnen hat… Auf jeden Fall soll es Glück bringen und damit ein perfekter Jahresanfang! Und zieh dich warm an: la fria macht ihrem Namen oft alle Ehre! Ich wünsche dir einen wunderbaren Jahresausklang auf dem camino! Un prospero año nuevo, peregrino!
    Jana

    1. Avatar von pandabaerh

      Ist echt mega kalt hier ^^ich hab leider keinen Ausgang, hatte aber ne super Pizza ^^. Wie feierst du? Ich wünsche dir nen guten Rutsch 🙂

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