Viel passiert heute… Innerlich vor allem. Dinge, die mich beschäftigen. Nicht nur, dass ich morgen 40 werde… Ein Angstdatum für mich, sondern auch… Alles halt…
Doch zuerst einmal erwachte ich völlig allein in einer riesen Pilgerherberge und war chilling und guter Dinge. Heute wollte mich Lucas, der Hospitalero, den ich gestern nach meinem Kirchendebakel kennengelernt hatte, etwas in León rumführen. Ich finde, das ist eine Camino Fügung… Lucas findet, das hat mit Fügung nix zu tun, es sind Menschen, die das tun… Ich finde, es kann ruhig beides sein.

Lucas ist 80, aus Belgien und geht den Camino seit 15 Jahren. Noch letztes Jahr ist er insgesamt 2000 km gegangen. Vor 60 Jahren war er als Soldat in Deutschland stationiert, als die Kubakrise war. Auf dem Camino lernte er später einen Russen kennen, der zur selben Zeit auf der anderen Flusseite stationiert war. Sie hätten sich beide töten müssen, wenn die Vorzeichen anders gewesen wären… Ein beeindruckendes Leben und ein toller Mensch. Er fühlt sich auf dem Camino zuhause… In Belgien fühlt er sich einsam. Das tut mir leid…
Wir frühstücken und rockten dann zur Laudes, der Frühmesse der Nonnen.
Lucas hat viel in mir bewegt, als er sagte: „Gott ist das“ Warum? „. Religionen, Kirchen, Gesellschaften sind das „Wie?“. Gott erfährst du wenn du mit deinen Füßen auf dem Camino läufst, Luft atmest, die Sonne fühlst. Wenn du Gott erfährst, setzt du dich mit dem „Warum“ auseinander. Und die Konsequenzen, die du für dein Leben aus dieser Auseinandersetzung ziehst, definieren dein „Wie.“…
Damit hatte er total Recht und so sah ich die Laudes mit anderen Augen. Die Kirche, das Kloster, das alles ist das „Wie“ von Leuten. Ich muss in Kirchen nichts fühlen. Es ist Ihr „Wie“. Wenn ich dabei was fühle, kann ich Katholik sein, aber wenn es nicht mein „Wie“ ist, brauch ich das nicht.
Aber als Symbol ist es super. Zu sehen, wie Menschen Gott zu ihrem Lebensinhalt machen, zu der Sinnfrage ihres Lebens und sich eine Lebensweise schaffen, wie sie dieses Ziel (für sich) sinnvoll verfolgen können, das war ne saugute Erkenntnis und brachte mich dazu mal zu hinterfragen, wie ich mein Leben bisher gelebt habe… Wer mich etwas näher kennt, weiß Bescheid. Ich geh da nicht ins Detail. Rauer Stein, aber volle Elle.
Einer meiner Lieblings Sprüche war immer:“ Ich versuche derzeit einen Lebensstil zu entwickeln, der meine Anwesenheit nicht erfordert.“
Aber genau das ist der Punkt… Ich hab immer auf Biegen und Brechen versucht, ein Leben zu kriegen, dass „richtig“ ist. Nach Maßstäben anderer. Ich war aber immer n Exot und anders und an diesem Anderssein bin ich immer kaputtgegangen, weil ich nicht normal war und sein konnte.
Aber vielleicht geht’s nicht darum, mich in ne Kirche zu setzen und krampfhaft zu versuchen was zu fühlen, wenn man Gebete mitspricht und sieht wie alle anderen dabei ergriffen sind… Vielleicht geht es darum, sich zu fragen, was MEIN „Warum“ ist und wie MEIN „Wie“ aussehen soll. Vielleicht ist mein „Wie“ einfach mein eigenes Wie und überschneidet sich mit dem „Wie“ anderer, oder nicht… Vielleicht sollte ich aufhören zu gucken was richtig ist und anfangen nachzuhorchen, was sich richtig anfühlt… Ein toller Gedanke für einen neuen Lebensabschnitt.. Und ein sehr beruhigender und friedlicher.
Dementsprechend besinnlich war die Laudes. Dann zeigte mir Lucas die Stadt.

Ich möchte euch hier garnicht mit Details nerven und langweilen. León ist als Hauptstadt und Königssitz schon mega alt. Erste Besiedlungsspuren gibt’s seit dem 2. Jahrhundert, aber gegründet wurde die Stadt von den Römern und das sieht man auch überall… Es gibt überall noch römische Bauwerke und Mauern, die sich mit anderen Baustilen abwechseln.
León ist eine schöne und interessante Stadt und trotz ihres Alters lebendig und Modern. Ein Mix, der mir in Spanien immer wieder begegnet.

Absolut eine Reise wert. Dank Lucas Kontakten. Kamen wir umsonst ins Museum der Stadgeschichte, in dem er mir viel Wissenswertes erzählte über Demokratie, Maurenkriege und… Und… Und… Toll, wenn man jemanden hat, der einem solche Blickwinkel auf ne Stadt zeigen kann… Unheimlich bereichernd.

Viel zu schnell waren einige Stunden um und Lucas musste arbeiten. Ich gab ihm noch nen Kaffee aus und bekamen jeder ne Tortilla dazu… Dann Stiefelte, beziehungsweise Badelatschte ich zum Schuster, der mir endlich meine Schuhe neu nähte und das zu nem Superpreis… Jetzt kann der letzte Abschnitt kommen 🙂
Dann rockte ich in die Kathedrale von Leon und Ja, sie ist KRASS!

Ich spar mir jetzt die Erklärungen und zeige einfach 5 Bilder.






Waren das 5? Hab mich mitgezählt…definitiv ein Augenöffner mit spannenden Hintergrundgeschichten. Dazu vielleicht an anderer Stelle mehr.
Danach machte ich mein Tourie Programm und fand die Stadt toll.



Komischerweise fühlte ich mich in der römischen Kirche Santo Isodora viel geborener und aufgehoben als in der Kathedrale.

Und überall mediterraner Flair und Klapperstörche.


León ist definitiv ne Reise wert.. Solltet ihr mal da sein, nehmt euch nen Tag Zeit. 🙂 solltet ihr den Wunsch haben dass ich nen León – extra-blogdings mache, sagt Bescheid.


Abends in der Messe, sprach der Priester dann Englisch, so dass ich gesegnet wurde 🙂 aber da ich heute emotional und spirituell eh angeschossen bin, hat mich das sehr getoucht. Ich werde viel zum Nachdenken haben auf den nächsten Etappen.
Abends gabs Brot und so ne Frucht.. Keine Ahnung wie die heisst… Ist nicht zu obstig, darum gut.

ACHJA… Voll vergessen… Und aus Spaß stell ich mich auf ne Waage und habe (mit Schuhen und Jacke an) 10kg abgenommen… Lol… Dabei fress ich hier eigentlich nur… Geil 🙂
So… Morgen werd ich 40… Ab dann werd ich seriös, ich schwör 🙂
(nicht)
Schlaft gut 🙂
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