Tag 24: Applaudierende Koreaner und zu kleine Betten …

Und ich dachte immer, Niederländer seinen wunderlich… Es scheint, ich hätte mich geirrt…

Doch zuerst einmal erwachte ich heute Morgen nicht, denn ich hatte nicht geschlafen. Es war kalt, gruselig und irgendwer war Nachts im Haus. Ich habe ihn reden gehört… Aber als ich nachschauen ging, war niemand da… Hoffentlich. Und es gab Ratten, Mäuse oder Braunbären, die durchs Zimmer gelaufen sind und gefühlt über mein Bett… An sich habe ich mit Ratten und Mäusen kein Problem… Okay, Ratten übertragen die Pest, aber wer tut das heutzutage nicht? Ihr seht, ich bin arg philosophisch unterwegs, yo. Mich nerven eher die Geräusche, die sie machen.

Ist aber schon krass. Man geht in einem fremden Land in einer fremden Stadt in ein fremdes, leeres Haus, legt sich dort ins Bett und schläft.. Nur weil da ne Muschel an der Tür hängt… Das ist schon interessant.

Ich stand zeitig auf und trank noch nen Pfefferminztee, bevor ich dieses Dorf Mordor, oder wie immer es auch hieß… Verließ…. Ihr seht, ich reime sogar… Wie krass ich heut bin, Wahnsinn.

Ich hatte 18km vor mir, nach Mansilla de las Munas und stiefelte los.

Ah.. Ich wollte schon die ganze Zeit was Filmmäßiges schreiben… Stellt euch einfach vor, wie der Erzähler im Film überdramatisch sagt: „Der Tag versprach mir nichts… aber ich hatte auch nichts erwartet.“ genial!

Mittlerweile spüre ich das Gewicht des Rucksack kaum noch, nur die Schultern tun oft weh. Aber ich hab Risse im Daumen und so… Wanderer Hände, falls es sowas gibt… Ich entwickele mich zu einem wettergegerbten Outlaw, ein Trapper, der in der Wildnis zuhause ist… Der mit Bären und Wölfen in eisigen Bergseen ringt und Gold schürft in riesigen, mäandernden… Dings… Äh… Flussbetten und so… Keine Ahnung, ob die mäandern. Ich weiß nicht mal, was das heißt…

Immerhin kam ich gut voran. Der Weg war langweilig und unspektakulär und schwierig zu gehen… Ein Sandweg mit Steinen neben einer Straße… Endlos…

Am Horizont tauchten Berge auf, wie Rosenkohl in einem Eintopf… Grün und unheilvoll.

Ich hatte heute keine tiefergeheden Erkenntnisse oder so.. Und es ist auch nichts aufregendes passiert… Muss ja auch nicht immer. Die Blasen an meinem Fuß nerven.

Ich kam gegen 1 in Mansilla de las Munas an und checkte in der einzig offenen Albergue „Gaia“ ein…

Zuerst machte die Albergue den Eindruck einer „Wir verdienen am Camino“ – Albergue, doch auf den zweiten Blick stellten sich die Hospitaleros als sehr sympathische, etwas neo-spirituell angehauchten Leute da und die Albergue als liebevoll hergerichtet und sauberer Ruheort. Toll 🙂

Ich war allerdings zu groß für die Betten, darum bekam ich ein anderes Bett in einem eigenen Extra Raum… Eine Extrawurst, die ich gerne annahm.

Ich kaufte noch Reis und Gemüse fürs Abendessen und dann brachen drei Koreanerinnen, die mich seit einigen Tagen begleiten, über die Albergue herein wie die 11 biblische Plage: Hungrige Koreanerinnen!! (dramatische Hintergrundmusik)

Sie hatten nicht gefrühstückt, es gab keinen offenen Laden und das Restaurant öffnete erst um 6 und es war erst 4…

Ich bot ihnen an, sich an meinen Vorräte zu bedienen und sie stürzten sich lautstark auf mein Brot und meinen Schmelzkäse, als hätten sie 3 Tage nichts gegessen… Wie im Film… Die Hospitaleros standen grinsend daneben.

Ich bot ihnen an für sie zu kochen, aber sie wollten Fleisch und waren erstmal satt bis zum Restaurant.

Ich machte mir später ne fett krass obergeile Reispfanne mit Gemüse und war so mega vollgefressen, ey… Die andere Hälfte packte ich in meinen Militarytopf für morgen, als die Koreanerinnen aus dem Restaurant zurückkamen und mich fragten was ich gekocht habe. Als sie merkten, dass ich was für morgen gekocht habe, applaudierend sie mir und riefen „Brilliant! Brilliant! sie reichten den Topf rum und guckten und staunten und einer kam sogar mit Zahnbürste aus dem Bad gelaufen und klatschte…. Total verrückt… Aber lustig.

So… Gleich go ich sleepen 🙂 Morgen geht’s nach Leon. Darauf freu ich mich. Bin schon megaweit gekommen… Und kann immernoch nicht fassen hier zu sein.

Halbzeit war schon… Ich bin 400km gegangen… Krass…

Donnerstag werd ich 40…alter Schwede…

So… Ich grüße heut den Papst. Einfach so. Hi Papst.

War da noch was? Achja:

Alltagskunst, die rockt!

Bis morgen!

Kommentare

12 Kommentare zu „Tag 24: Applaudierende Koreaner und zu kleine Betten …“

  1. Avatar von Jacqueline Richter
    Jacqueline Richter

    😂Rosenkohl ist nich unheilvoll! *Wolltichnurgesagthaben*

    1. Avatar von pandabaerh

      Ich mag eigentlich auch gerne Rosenkohl 😀

  2. Avatar von Denny
    Denny

    Ich muss auch sagen deine Art und Weise Dinge zu beschreiben oder einfach wiederzugeben macht mich auch etwas nachdenklich und meine Vorfreude auf meinen Camino Frances steigt von Tag zu Tag schade dass ich gerade voll im Examen Stecke sonst hätte ich dir persönlich neue Schuhe gebracht 😉

    1. Avatar von pandabaerh

      Warum nachdenklich?

      1. Avatar von Denny
        Denny

        Na ja wie mein Weg so sein wird wenn ich ihn gehe 😀

        1. Avatar von pandabaerh

          Hmmm 🙂 das wissen nur die Camino Götter… Aber eines ist sehr sicher… Es wird dein ganz eigener, individueller und einzigartiger sein 🙂 mit meinem heutigen Wissen rate ich dir: freu dich drauf und geh it dem Wissen los, dass der Camino dir gibt was du brauchst, wenn du zuhörst

  3. Avatar von jewosreisen

    So schön, Deine Beiträge, tiefsinnig und zum kugeln.
    Schade, dass ich keine Handynummer von Dir habe.
    Wir sind mit dem Auto auf dem Rückweg von Finisterre nach Pamplona.
    Sind über Leon gefahren. Wir hätten gerne Dein Über- Gepäck bis Pamplona mitgenommen, wenn wir gewusst hätten, wo wir Dich erwischen können.
    Da sind wir halt wieder bei : hätte, Fahrradkette 😂

    1. Avatar von pandabaerh

      Oh wie lieb 💕 vielleicht wollte der Camino einfach dass ich es trage 🙂 seid ihr gut wieder heimgekommen?

      1. Avatar von jewosreisen

        Nein, nicht heim.
        Nur bis Santo Domingo flv, morgen bis Pamplona, wo wir den Spanischkurs machen. Da wolltest Du doch Deine Klamotten hin schicken.
        Bei Belorade hat es übrigens leicht geschneit

    2. Avatar von pandabaerh

      Meine Nummer… Bist du bei Facebook? Kannst du mich dort anschreiben? Ich heiße krischan henkel.

  4. Avatar von jewosreisen

    Übrigens, ich glaube, die Koreaner fangen immer wieder von vorne an. Wir sind hier in der Herberge, 80 % Koreaner 😂

    1. Avatar von pandabaerh

      Meine Nummer… Bist du bei Facebook? Kannst du mich dort anschreiben? Ich heiße krischan henkel.

      Ich frag mich echt, wer derzeit noch in Korea ist 😀 vermutlich ist das Land komplett leer

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