Tag 22: Katzen, Kampf und Carbonara

Der Tag heute begann anstrengend und endete versöhnlich.

Doch zuerst einmal erwachte ich nach einer durchschnarchten Nacht und freute mich darauf zu gehen. Ich zog mir zum Frühstück ne halbe Tortilla mit Schokopudding rein und war froh, dass ich mich nicht übergeben musste. Doch ich bin n krass harter Pilger und komme damit klar.

Heute war ich eigentlich gechillt, da ich dachte, wird schon werden… Aber die Etappe hatte es echt in sich und ich kam total Kaputt an.

Carrión de los Condes zu verlassen fiel mir leicht, denn viel hatte mir die Stadt nicht zu bieten. Es gab noch n en netten Abschiedsausblick aufs Kloster, und dann ging in die Meseta.

An sich ging es heute nur geradeaus, keine großen Berge und es war ne Landschaft, wie ich sie von Zuhause kenne. Das Wetter war gut und eigentlich hätte es n chilliger Tag werden können, aber irgendwas Schlauchte mich extrem. Keine Ahnung was. Der Weg ging immer geradeaus und der Boden war sandig, vielleicht war es das. Vielleicht auch, dass es einfach kein Ende nahm.

Dann ging auch noch mein Kopfhörer kaputt, so dass ich weder Herr der Ringe, noch Musikhören konnte und es waren die ganze Zeit Pilger vor und hinter mir.

Ich fand, nach St Jean Pied de Port war es die zweithärteste Etappe für mich. Zumal zwischen Carrión und Moratinos 18km Nichts lagen….

Der Kleber für meine Schuhe hielt nicht und die Naht meiner Schuhe hing immer weiter auf. Ich muss dringend einen Schuster finden.

Allerdings gab es auch was erfreuliches: die Hälfte des Weges nach Santiago ist geschafft… Das ist megakrass. Ab sofort naht das Ende… Irgendwann…

Juan, ein Amerikaner, reservierte sich, mir und einem spanischen Mitpilger ein Bett in Moratinos. Ursprünglich wollte ich nur 25 km nach Legidos gehen aber so hatte ich jede Option, und ganz ehrlich.. Die Reservierung sollte sich als Glücksfall herausstellen.

Ich kämpfte mich durch bis Legidos und hatte eigentlich vor, dort zu bleiben aber ich dachte mir, ne… Bestieg deinen inneren Schweinehund und Rock die 1,5 Stunden.. Das fiel mir echt schwer, denn ich war total kaputt….

Naja… Ich kroch also schluchzend von Haustür zu Haustür und klagte allen mein Leid, die es hören wollten… Also niemandem und erreichte irgendwann Moratinos, schleppte mich… Nein eigentlich verlief ich mich erstmal in diesem 15Häuser Dorf und musste vom Hospitalero, der sich als Deutscher entpuppte, abgeholt werden. Das tat er auch und so kam ich durch einen glücklichen Zufall ins „Peacable Kingdom“, einem von einer Amerikanerin und ihrem Londoner Ehemann bewohnten Haus. Sie hatten sich in den Camino verliebt und wollten ihm was zurückgeben und stellen seitdem auf Spendenbasis maximal 3 Pilgern ein Bett in ihrem Haus zur Verfügung… Total geil… Ein echter Camino Moment.

Und ein Geheimtipp, wenn ihr in der Nähe seid… Ne, Denny? 🙂 unbedingt reservieren!

Da es ihr Privathaus ist, wollen sie nicht, dass ich davon Fotos veröffentliche, was ich voll verstehe und sie machen auch keine Werbung und tauchen nur auf Aprinca auf. Das ist auch so gewollt. Aber ich darf die Herberge im Blog erwähnen.

Es gab sauleckere BroccoliBlumenkohlsuppe, leckere Spaghetti Carbonara und zum Nachtisch englischen Weihnachtspudding… Nom mom nom

Und überall waren Schmusige Katzen 💕❤️

Ein toller Glücksgriff, dieser Schlafplatz und ein toller, erholsamer Camino Moment.

Der deutsche Freiwillige dort, der seit Jahren auf dem Camino wandert und mal hier jobbt und mal da, gab mir interessante Camino Tips und erläuterte mir auch nochmal das keltische Ritual in Finisterre…

Man verbrennt abends etwas aus seinem alten Leben, denn mit dem Ende des Camino endet das alte Leben… In der Nacht ist man tot und morgens, am nächsten Tag, geht man ins Meer, bei Sonnenaufgang und lässt sich von einer Welle an den Strand tragen und wird in seine neues Leben wiedergeboren.
Das klingt toll und genau nach de Ritual, nah dem ich suche.
Ich freue mich da schon drauf.

In diesem Sinne: Gute Nacht… Morgen. Lasse ich es ruhig angehen

Kommentare

2 Kommentare zu „Tag 22: Katzen, Kampf und Carbonara“

  1. Avatar von jewosreisen

    Ich wünsche Dir vor allem einen Schuster.
    Frag mal immer wieder in Herbergen nach. Manchmal vergessen Pilger Klamotten, auch Schuhe, die dann nach einiger Zeit bei Bedarf an andere Pilger weggegeben werden.
    So war es jedenfalls in Astorga in der Herberge

  2. Avatar von Jacqueline Richter
    Jacqueline Richter

    Dann lass Dich mal ein wenig verwöhnen und von den Katzen beschmusen! Erhol Dich ein wenig 🙂 und ich drück Dir die Daumen für einen Schuster! Und Glückwunsch zur Halbzeit…ist wirklich krasser Gedanke..nun liegt mehr hinter Dir als vor Dir…wow…und zu dem Ritual hab ich auch gelesen…:) ist ja noch ein wenig hin..aber ein schönes Ziel zum drauf zusteuern! Knuffel! 🙂

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