Tag 13: Verlaufen und doch nen Weg gefunden…

„Gute Vorsätze über Bord zu werfen bedeutet nicht unbedingt etwas schlechtes. Es zeigt, dass deine Ausgangslage anscheinend gar nicht so übel ist.“ (Federi…äh..ne…von mir ^^)

Ich mach mir meistens erst gar keine guten Vorsätze, weil ich viel zu faul und zu bequem bin und überhaupt nicht so das Durchhaltevermögen anderer Menschen habe. Ich tue lieber einfach Dinge und versuche sie dann durchzuziehen.

Gerade hier auf dem Camino fällt mir das aber echt schwer ^^ Denn es gibt Rucksackservices, Mitfahrgelegenheiten, Allerlei Pausenmöglichkeiten und viele Gelegenheiten, unangenehmes zu vermeiden 🙂

Darum quälen mich die Schwierigkeiten auch doppelt, weil ich weiß, ich könnte sie vermeiden und normalerweise tu ich so was auch… es gibt immer die harten Fighter, die alles durchziehen…aber ein schlaues Pferd springt nicht höher als es muss…

Ich bin halt ein rauer Stein 🙂

Das ist übrifens das tolle an der Freimaurerei… sie geht davon aus, dass wir alle raue, unvollkommen Steine voller Ecken, Kanten und Unebenheiten sind… wir wollen und sollen uns einfügen in ein größeres Ganzes…dem Tempel der Humanität. Und unsere Aufgabe ist es, an unseren Unvollkommenheiten zu arbeiten und besser zu werden.

Niemand erwartet von mir, dass ich perfekt bin. Ich darf Fehler und Macken haben. Es ist natürlich, dass ich sie habe. Und vermutlich weiter machen werde. Was man von mir erwartet ist, dass ich mich bemühe ein besserer Mensch zu werden. Und das nimmt viel Druck raus… und ist echt angenehm…zu wissen, dass man so, wie man ist angenommen wird.

Mir selbst fällt es viel schwerer mich so anzunehmen, als den Brüdern in meiner Loge. Ich habe bis heute mit ihnen nie über meine Vergangenheit geredet. Trotzdem heißen sie mich willkommen.

Und ich versuche das selbe zu tun.

Es ist okay unvollkommen zu sein…. es ist aber deine Schuld, wenn du so bleibst.

Lehrlinge und raue Steine bleiben wir aber unser Leben lang und das ist toll

Doch zunächst einmal erwachte ich und verließ das tolle Cahor und die liebevolle Gite dort. Ich hatte mit der Hospitalera dort gestern noch tiefgründige Gespräche über Sinnsuche und Spiritualität, über Abgründe und innere Leere… solche Gespräche sind gut und genau solchen Austausch suche ich hier auf dem Camino auch.

Dann machte ich mich auf die Socken nach Lascabanes und wusste, mir steht ein steiler und fieser Anstieg bevor.

Ich sagte dem schönen Cahors Tschüß und machte mich auf Richtung Brücke..und der Berg dahinter war der steilste Teil des Anstiegs.

Sieht harmlos aus…ist aber mies, denn es sind in den Stein gehauene Stufen ohne Geländer und ich bin nicht schwindelfrei 🙂

Darum kroch ich auch eher als ich ging ^^ …aber wie ist ja egal…DASS ist wichtig…

Oben ging es dann mit moderaten Anstiegen noch 100meter höher und dann war auch das überwunden.

Ich dachte, ich könnte den Weg heut schaffen ^^ und wenn ich das schreibe wisst ihr, ich habs nicht ^^

Denn irgendwann hatte ich wohl ne Markierung übersehen und bin falsch auf so nen Geröllpfad neben ner Autobahn abgebogen, der den Hügeln folgt.

Ich lief Stunde um Stunde, bis mir auffiel, dass ich niemand anderen ah. Die Sonne ballerte und mir wurde immer klarer, dass ich mich verlaufen hatte…Spätestens als der Weg in nem Brombeerdickicht endete… als Pilger macht man ja einiges mit, aber ich wusste, hier war ich falsch.

Was also tun? Zurück? Stundenlang? Querfeldein mein Glück versuchen?

Ich stieg den Berg runter zur Autobahn und fuhr per Anhalter in den nächsten Ort, nachdem ich erklärt hatte, dass ich mich verlaufen hatte… Mivh nahm ein junges Mädchen mit und erklärte mir, ich würde halt nicht wie ein Vergewaltiger aussehen… ich fragte mich, ob sie meinen Hut nicht bemerkt hatte? ironischerweise war der nächste Ort mein Zielort Lascabanes 🙂 ich war also doch fleißig

Verlaufen ist doof…passiert aber den besten.

Ich war dann in meiner Gite und genoss den Sommernachmittag 🙂

Morgen geht’s dann hoffentlich ohne verlaufen weiter.

Morgen wieder mehr ^^ n8

Kommentare

Ein Kommentar zu „Tag 13: Verlaufen und doch nen Weg gefunden…“

  1. Avatar von Jonas
    Jonas

    Gratuliere zu deinem gemachten Anstieg nach cahor, der hat es echt insich.

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