Tag 12: Cahors und wie es schmeckt 🙂

„Ich weiß nicht, Herr Holkin. Hier ist alles so anders und fremdartig. Sogar der Käse. Hast du ihn mal probiert? Er schmeckt anders als bei uns zuhause. Nicht, dass das schlecht wäre. Ich mein ja nur, man ist es nicht gewohnt.“

Herr Holkin saß auf einem Stein in der Sonne und genoss den Blick über die weite Landschaft, die sich hügelig vor ihm ausbreitete. Er zog an seiner Pfeiffe und ließ ein paar Rauchringe in den Abenhimmel steigen.

Auch er vermisste sein Fachwerkhaus mit dem Vorgarten, in dem eine blaue Bank inmitten üppig blühender Blumen stand und auf der es sich so vorzüglich sitzen ließ. Jetzt gerade müsste der Flieder blühen und die alte Frau Kappmeier würde bestimmt einen Grund finden vorbeizukommen, wenn er einen Schokoladenkuchen buk. Und dann würden sie im Vorgarten sitzen und über gute alte Zeiten reden.

Herr Holkin seufzte. Aber so war es nun mal, wenn man in ein Abenteuer zog. Herr Holkin hatte sehr gründlich darauf geachtet in eine abenteuerfreie Gegend zu ziehen. Abenteuer, so fand er, sollten an fremden, exotischen Orten stattfinden. Nicht da, wo man Bohnen und Brunnenkresse pflanzt. Und er war ja auch nur mitgegangen, damit Herr Bernward Gundolf aus dem Haus hinterm Hügel nicht so einsam auf seinem Abenteuer war. Man sollte, wenn möglich, Abenteuer mit Leuten bestehen, die einen Sonntags auch schon mal zu einem Teller Gulaschsuppe einladen.

„Sie sind wie Koalas und wir wie Pferde.“, sagte Her Bernwart Gundolf gerade und riss Herrn Holkin aus seinen Gulaschsuppengedanken.

„Was sind denn Koalas?“, fragte Herr Holkin.

„Naja, sie sind…wie soll ich sagen… sie sind keine Bären aber irgendwie schon und sie haben große Ohren und leben auf Bäumen und weil sie sich immer festhalten müssen, haben sie Beutel, in denen sie ihre Jungen tragen.“, erklärte Herr Bernwart Gundolf.

„Sie haben Beutel?“ Herr Holkin war verwirrt. „Woraus machen sie sie?“

Sie werden damit geboren.“

„Sei nich albern, Herr Gundolf. Man wird doch nicht mit einem Beutel geboren.“ Das konnte Herr Holkin sich nun wirklich nicht vorstellen und wenn er ehrlich war,fand er das auch etwas fremartig, wenn es so sein sollte.

Ich wollte ja auch nur sagen, dass hier alles anders ist.“

Und warum sind wir Pferde, Herr Gundolf?“, wollte Herr Holkin wissen.

Weil Pferde unsere Nachbarn sind. Frau Ginsterbusch hat eins. Ich meinte das auch nur, weil wir Pferde kennen und Koalas eben nicht.

„Der Esel von Herr Mörike hat einen Beutel vor dem Maul wo Hafer drin ist.“, meinte Herr Holkin nachdenklich und zog an seiner Pfeiffe.

Ich glaube, das ist aber eine andere Art Beutel.“, sagte Herr Bernwart Gundolf und streckte die Beine aus.

„Verrückt.“, sagte Herr Holkin. „Verschiedene Arten von Beuteln…. Du sag mal, wohin gehen wir eigentlich, Herr Gundolf?“

„Ach…“, sagte Herr Gundolf unbestimmt. “ Ich glaube immer die Straße lang und ich glaube hinter dem Hügel, da beginnt mein Abenteuer.“

Das hört sich gut an. Und wenn du es bestanden hast, setzen wir uns in meinen Vorgarten auf die Bank und essen mit Frau Kappmeier Kuchen.“

Doch zunächst einmal erwachte ich und hatte genau diesen Ausblick vor dem Fenster. Außerdem hatte ich einen freien Tag und plante ihn mit viel Müßiggang zu verbringen.

Ich zog los und kaufte Sonnencreme und gab 50 Euro für neue Schuheinlagen aus, in der Hoffnung keine schmerzenden Zehen mehr zu haben und genoss die pittoreske Altstadt.

Cahors ist halt wirklich einfach schön und bietet viel Geschichte. Wer hier in der Gegend mal unterwegs ist, macht sicher nix falsch, hier nen Abstecher her zu machen.

Plötzlich, wie aus dem Nichts, tauchte ein völlig krasser Wochenmarkt vor mir auf…

Das war so krass, dass ich mir erstmal einen so unanständig mediterranen Snack zusammenstellte, dass ich befürchtete, von Gott mit einem Blitz niedergestrecktt zu werden. Doch es musste sein.

Auch die Kathedrale von Cahor und der dazugehörige Kreuzgang waren ein Fest für die Sinne

Und das sind die Momente, die jede Blase, Schrammen, Muskelkater und schmerzende Füße vergessen lassen… die kleinen Kostbarkeiten und Schönheiten entlang des Weges. Dafür macht man das (unter anderem). Dafür ist man dankbar, nach all den Mühen… aber auch für so liebevoll geführte Herbergen wie diese…wo man willkommengeheißen wird, egal wie dreckig man ist. Wo man sagt „Setz dich, trink was, schön, dass du da bist…“ Sowas gibt’s. Genau jetzt. Hier und woanders auf der Welt. Das ist doch toll.

Darum freu ich mich morgen auch sehr auf die Etappe und auf alles, was am Horizont liegt.

Grüße gehen raus an Marita 🙂 Ein weiterer Camino Engel. Sie macht freiwillig Hospitaleradienste für müde und zerlumpte Pilger am Camino Frances. Danke dafür.

N8 euch allen

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