Tag 9: Sag mir Quando, Quando, Quandooooo….

Der heutige Tag war geprägt vom Verlorengehen und vom Ankommen.

Nach anstrengenden 26km gestern landete ich in Torres del Rio und verbrachte dort die Nacht. Ich war aber um 6 schon wach und brach im Dunklen auf. Allerdings in die falsche Richtung. Doch CAMINO sei Dank: ein Dorfbewohner, der irgendwie schon wach war, wies mir den richtigen Weg. Allerdings ging ich nochmal verloren heute.

Doch erstmal führte aus Torres del Rio hinaus und ich bin immer wieder überrascht, wie alt die Dörfer manchmal sind.

Mein Weg führte mich in die Wildnis und ich genoss die Nacht. Der Vollmond tauchte die Landschaft in ein mystisches Licht.

Doch der Morgen dämmerte und zauberte wieder mal.

Doch so geile Sonnenaufgang Fotos gibt es heute nicht.

Eines der vielen komischen Sachen an Spanien ist, dass ein Dorf sehen nicht zwangsläufig bedeutet, ihm auch näher zu kommen. Mein Hauptziel Logrono, 20km entfernt sah ich schon nach 20 Minuten… Erreichte es aber erst nach 6 Stunden.

Aber erstmal genoss ich die Landschaft. Zwischen Mondlicht und Sonnenlicht herrschte ein total seltsames Zwielicht und die Berge in der Ferne sahen echt cool aus.

Und die Natur warf sich in Schale und zauberte Panoramen erster Güte, so dass es ein Genuss war zu wandern.

Wie soll man da nicht ins Schwärmen geraten?

Dann führte mein Weg weiter nach Viana. Die Stadt lag vor mir, wie ein Hund in seinem Korb und ich lief und lief und kam ihr nicht näher. Das ist immer strange, denn dieses Phänomen kannte ich nicht und finde es etwas zermürbend.

Irgendwann, nach Ewigkeiten erreichte ich die alte Residenzstadt jedoch und stellte fest, dass sie anscheinend grade renoviert wurde.

Dafür wartete aber ein beeindruckendes Kirchenportal auf mich, dass ich gerne frontal fotografiert hätte, aber es war kein Platz. Ich genoss dort einen Kaffee und Boccadillos. 

Auch innen war sie beeindruckend aber am Eingang erwartete mich erstmal ein Hinweisschild betreffend der Kleidungsvorschriften und ich fragte mich, welcher Pilger dort in Unterwäsche aber Hut auf reingegangen war. Da  er keine Sandalen trug, war er aber vermutlich kein Deutscher. Das beruhigt mich. 

Von innen war die Kirche beeindruckend und für Evangelen ungewohnt reich verziert.

Leider war der Schrein so schlecht beleuchtet, dass das Bild recht dunkel ist.

Ich verließ Vaiano aber bald und machte mich auf den Weg nach Logrono.

Unglücklicherweise verlor ich dort irgendwie den Camino und wusste nicht mehr wo ich bin und dann wurde auch noch um mich rum geschossen, da hier grade Wildschweinsaison ist.

Ich ging querfeldein Richtung Logrono, da ich in etwa wusste, wo es lag.

Ich gelangte in ein Industriegebiet und ein Einheimischer wies mir eine Richtung in die ich gehen sollte und fand mich unversehens auf einer Schnellstraße wieder und das war ne relativ gefährliche Situation. Da ich nicht wusste, wie ich anders nach Logrono kommen sollte, lief ich einfach am Rand der Schnellstraße Stadeinwärts und hoffte, dass niemand wegen mir einen Unfall bauen würde. Uncoole Situation. Man ist auf dem Camino so behütet und gepampert, dass ein falscher Schritt dir echt Probleme bereiten kann.

Dennoch schaffte ich es in die Stadt und hörte bald ein lautes: „Sag mir Quando, Quando, Quandooooo.“ und fand Paolo, einen Mitpilger, singend und damit auch den Camino wieder.

Irgendwie kriegen alle den Song nicht mehr aus dem Ohr und ich bin Schuld, da irgendwer in nem spanischen Gespräch das Wort „Quando“ sagte und ich reflexartig „Quando, Quando, Quandooooo“ sang und wir seitdem alle den hammerharten Ohrwurm Flash haben, sogar die Koreaner, der aber auch für viel Spaß gesorgt hat und sorgt. Alle sind im Quandofieber. 

In Logrono bleibe ich über Weihnachten in einer christlichen Herberge und darf dort ausnahmsweise einen Tag länger bleiben, da Weihnachten ist.

Ich besuchte den Gottesdienst in der Kirche nebenan und bin beeindruckt von dem tiefen Glauben der Spanier. Katholische Messen haben schon was, auch wenn ich natürlich nichts verstehe.

Aber Gottesdienst machte mir nochmal den Sinn einer Pilgerreise klar. Und ich werde die nächste Zeit mich mal mehr mit Religion beschäftigen.

Mit einem Abendessen (leider mit Fleisch, so dass ich meins selbst kochte) endete dieser ereignisreiche Tag.

Bis Morgen… WEIHNACHTEN 😍

Kommentare

6 Kommentare zu „Tag 9: Sag mir Quando, Quando, Quandooooo….“

  1. Avatar von jewosreisen

    Vielleicht schaust Du noch zu weit voraus.. 😉
    Ich freue mich täglich , von Dir zu lesen, danke

  2. Avatar von G.E.
    G.E.

    Es ist immer eine Freude, die Bilder und dein Resümee zu lesen. Gesegnete Weihnachten!

  3. Avatar von Jacqueline Richter
    Jacqueline Richter

    Dann wünsch ich Dir auch ein schönes Weihnachtsfest, Großer 🙂

  4. Avatar von Audrey im Wanderland

    Beruhigend, dass auch andere Peregrinos mit Ohrwürmern gesegnet sind! Ich wünsche dir einen tollen Heilig Abend in der Rioja! Du hast schon deine zweite Provinz erreicht – Glückwunsch dazu. Und viel Spaß weiterhin.
    Zum Thema beeindruckende Kirchen: wenn du auf der nächsten Etappe durch Navarette kommst, geh unbedingt in die Kirche. Das Rentabel (also der goldenen Schischi hinter dem Altar) hat mich damals komplett weggehauen. Für einen Euro geht die Festbeleuchtung an. Dann kannst du ein tolles Bild machen. Lass es dir gut gehen – Audrey

    1. Avatar von pandabaerh

      Oh, danke 🙂 Das wünsche ich dir auch ^^ Ja, ist krass, dass man irgendwie schon vorankommt. Bin gespannt auf Rioja. Navarra war ja schon wunderschön.

      Ohrwurm technisch sind die Koreaner aber am nuedlichsten, wenn sie rumrennen und Italogesten machen und „Quando! Quando“ sagen 😂 Herrlich.

      Danke für den Kircgentip, den werd ich beherzigen 🙂 Ich wünsche Dir und euch ein supertolles Weihnachten und eine besinnliche Zeit. Lasst es euch gutgehen.

  5. Avatar von Michael
    Michael

    Und da soll mal einer sagen, Pilgern im Winter sei nicht schön. Wunderbare Bilder sind dir da heute gelungen!

    Was sind «Evangelen»? Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Kirche in Viana eine katholische Kirche war. Ja, Weihnachten auf dem Camino ist schon etwas Besonderes. 🙂

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