Der Unterschied zwischen Liebeund Glück besteht darin, dass Menschen, die über Liebe sprechen, normalerweise verliebt sind, wohingegen Menschen, die über Glück sprechen, meistens unglücklich sind. (Taleb, Federicos Buch)
Hmmm…. Ist das so?
Keine Ahnung. Liebe und Glück sind beides erstrebenswerte Sachen und ich glaube, sowohl die Abwesenheit von Glück und Liebe, als auch deren Anwesenheit sind immer schon Triebfedern für Kriege, künstlerische Werke und sonstige Lebensäußerungen von Menschen gewesen.. ich glaube nicht, dass man zwangsläufig verliebt sein muss, um über Liebe zu sprechen. Ich glaube auch nicht, dass man nur als unglücklicher Mensch über Glück reden kann.
Ich treffe hier auf dem Weg täglich Menchen, die über Glück und Liebe sprechen…viele davon sind glücklich.
Und ich? Laufe den Jakobsweg wegen einem gebrochenen Herzen. Auch da geht’s um Liebe…um ihre Schattenseiten.
Keine Ahnung, Herr Taleb… ich finde diesen Spruch jetzt (für mich) nicht so zutreffend.
Hmmm…ich weiß da auch nix überschlagen zu zu sagen. Vielleicht könnt ihr dazu ja was sagen 🙂
Ich meine, in einem hat er recht, auch wenn er es garnicht sagt: die Abwesenheit von Glück und der Wunsch danach, war beinahe 35 Jahre eine Triebfeder für Kreativität für mich und eine stete Tauchfahrt in die Abgründe und Tiefseegräben meines Seins.
Hört euch Shape of Despairs Song Monotony Fields an. Ein finsterer, hoffnungsloser Song vom glückfernsten, tiefsten Punkt der menschlichen Seele, wo kein Sonnenstrahl mehr hinreicht. Trotzdem hat dieser Song dort Licht und Schönheit gefunden. Auf seine eigene Weise.
Hört ihn euch nicht an, wenn ihr Doom Metal nicht mögt!
Ich denke, je tiefgreifender die menschlichen Erfahrungen für den Einzelnen, desto tiefgreifender kann er auch darüber sprechen. Aus den Blickwinkeln, aus denen er diese Erfahrungen gemacht hat.
Frag jemanden, der nie Liebe, Normalität oder Glück erfahren hat, was Liebe, Normalität oder Glück ist und er wird dir Bilder malen können von ihrer Abwesenheit und/oder dir eine Utopie erzählen können, was es sein könnte und sollte.
Jeder Mensch mit Erfahrungswissen hat Erfahrung. Nur weil wir gerne in Kategorien von Richtig und Falsch denken, heißt das nicht, dass Menschen mit abweichenden Erfahrungen nicht auch das Recht haben sollten, über ihre Gedanken zu Liebe und Glück zu sprechen.
Was ist mit dem traumatisierten Jungen in Liberia, der jeden Tag an den Strand geht, um das Kind zu begraben, dass die Hunde nachts ausgraben…. glaubt ihr, sein wichtigstes Thema ist Glück? Ich glaube eher, es wäre Frieden und Erlösung und Trost.
Über Glück lässt sich toll philosophieren, wenn man keine anderen Sorgen hat. Und unglückliche Menschen haben vermutlich andere Themen.
Ich finde das Thema Glück auch viel relevanter und interessanter als das Thema Liebe, denn über Liebe haben wir vom Trojanischen Krieg, über Romeo und Julia bis hin zu Titanic und Justin Bieber alles gehört…
Man hat Experimente mit Babys gemacht, ob sie überleben wenn man ihnen die Luebe entziehen…und im TV laufen Shows wie „Naked attraction.“
Glück finde ich sehr viel tiefgreifender und essentieller als Thema, denn darum geht’s mir ja im Leben… wie kann ich meine drecks Vergangenheit endlich mal abschütteln und ein glücklicher Mensch sein und wie kann ich es schaffen, ein Mensch zu sein, der abends in den Spiegel gucken kann, ohne kotzen zu müssen, weil ich mich bemüht hab, nicht dazu beigetragen zu haben, dass ein Junge jeden Tag an den Strand geht, weil er den Krieg und den Wahnsinn in seinem Leben nicht verkraftet…
Da bemüh ich mich doch lieber, ihm ein Lächeln zu entlocken.
Glück ist das einzige, was nicht weniger wird, wenn man es teilt.
Deswegen geh ich doch unter anderem auch Pilgern, oder? Oder bin Freimaurer… Um mich zu bemühen ein besserer, oder zumindest kein schlechter Mensch zu sein.
Nein, Herr Taleb, der Spruch ist nichts für mich…

Doch zuerst einmal erwachte ich und hatte heute zwei Blogeinträge zu schreiben, weil ich kein Internet hatte…was aber voll egal war ^^
Der Marsch über die Meseta ist einfach hart… die Meseta ist schön und die Strecken okay. Aber es ist derartig heiß…die Sonne knallt einfach auf einen runter und es gibt keinen Schatten.. Selbst Leute aus heißen Ländern stöhnen.




Aber ich ziehs durch… täglich bis 30km…. der Camino wills wissen….. Leon awaits… und dann hab ich die Meseta besiegt…




Gestern dann aber, gab der Camino mir voll….
Es war unfassbar heiß, ich hab 30km gemacht und kam völlig zerstört bei 35 oder mehr Grad an und der Hospitalero sagte nur: Geh rein, komm an, einchecken später…
Und was soll ich sagen… ich ging rein, und im Garten war das:

Es war der Himmel auf Erden. Mir brachte sogar jemand ein Bier… ich chillte und entspannte wie ein Pandabär im Zoo… generell war es ein toller Abend.
Am Pool leitete ein junger Amerikaner mit Dutt einige andere junge Leute beim Yoga an und beendete die Sitzung dann mit „Namstè, Bitches!“
Mir ist fast das Bier in den Pool gefallen.


In der Herberge traf ich auch Manuel und Jolina aus Magdeburg wieder. Ich mag die beiden und freue mich, dass sie auf dem Camino sind.

Ich mag ihre Art und Weise den Camino zu gehen… es ist nicht meine, aber ihre und die ist toll… sie gehen einfach los und erleben und nehmen mit, was der Weg ihnen gibt. Auf ihre eigene Art und Weise…nich so genormt wie viele andere hier. Und Das finde ich sehr sympathisch.
Ich hätte noch länger in der Herberge bleiben können und war echt am überlegen, denn ich brauch dringend nen Tag Ruhe…ich bin jetzt die 6. Woche unterwegs und alle Timeouts waren irgendwie aus der Not heraus…außer Pamplona.
Ich entschied mich aber fürs gehen, denn ich fand, tolle Momente sollten Momente bleiben und etwas besonderes sein und machte mich auf den Weg nach Carrion de los Condes. 25km in der Gluthölle.



Der Weg war heute, bis auf einen Berg angenehm flach und lief sogar am Wasser entlang. Ich kam gut voran, lief mir aber mal wieder ne Blase 😑
Mein Schirm ist gut…es ist immer noch superheiß, aber die Sonne ballert einem nicht so auf den Kopf.
Um 1, als anfing, richtig heiß zu werden erreichte ich mein Ziel und kam in einem Nonnenkloster unter… kein Komfort, aber sauber und nur 1 Mitpilger im Zimmer.


Ich erwarte aber auch keinen Komfort. Ich bin auf Pilgerfahrt, nicht im Urlaub…ich bin froh und dankbar über das, was mir angeboten wird. Denn ich weiß, dass es nicht selbstverständlich ist.
Tatsächlich wurde mir erlaubt, hier meinen Ruhetag zu machen und das nehme ich sehr gerne in Anspruch und habe es echt nötig.
Auf der nächste Etappe wartet dann wieder ein Highlight auf mich 🙂 darauf freue ich mich schon.
Ich würde mich immer noch gerne über Fragen für meine beliebte Rubik: „Viele Leute fragen mich ja…“ von euch freuen :))

Ich finde es krass, wie „raus“ man hier ist…gestern abend saßen wir am Pool und keiner hat mitbekommen, was so in Rußland geht…
Verrückte Welt
Bis morgen, Leute
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