Tag 33: Krokodile….

Eigentlich nicht, aber mir fiel keine andere Überschrift ein und Krokodile gehen immer. Sie sind groß und grün und betrügen nicht beim Skat… Ich mag sie. Aber sie haben mit dem Jakobsweg so gut wie garnichts zu tun. Vielleicht wird irgendwann mal ein Krokodil nach Santiago pilgern, denn wir leben in wunderlichen Zeiten, aber bis dahin bleiben Krokodile und Narwale sicher Geschöpfe, die selten mit dem Jakobsweg in Verbindung gebracht werden. Mit Ausnahme des Pilgers und Walfänger Steward Greyhams aus York, der 1344 mal in der Beringsee von einem Narwal arg an der Schulter verletzt wurde, als er versuchte ihn zu harpunieren und dadurch letztlich zum rechten Glauben zurückfand. Aus Dankbarkeit pilgerte er den Jakobsweg und starb noch in St Pied de Port, weil er von einem Mob aufgebrachter Hospitaleros mit Mistgabeln davon abgehalten werden sollte, den Bergpass zu gehen OBWOHL der gesperrt war… Eine Mistgabel durchbohrte aus Versehen sein Herz… Ob das stimmt? Vermutlich nicht, denn ich habe mir das vermutlich nur ausgedacht, um den Blog lebendiger und aufregender zu gestalten, doch wer weiß das schon genau… Krokodile an die Macht!

Doch zuerst einmal erwachte ich um 7 in einer bitterkalten Herberge in Villafranca del Bierzo… Gnihihi… BIER… 😀 An sich hatte ich gut geschlafen, da ich auch alleine war aber immer kalte Herbergen… Das nervt und stresst auf Dauer. Außerdem hab ich n paar Socken verloren. Fragt nicht wo, oder wie. Sie sind fort. Weg. Und ich bin wieder allein allein…

Naja… Ich durfte gehen wann ich wollte, darum ging ich um 8.23 Uhr und zogdie Tür hinter mir zu. Draußen stellte ich fest, dass meine Trekkingstöcke jetzt drinnen waren und ich nicht mehr reinkam… Darum weckte ich due Hospitalera. Da ich jetzt auch weiß, was Entschuldigung auf Spanisch heisst, entschuldigte ich mich auch. Zumindest hoffe ich, dass Disculpa Entschuldigung heisst, denn ich habe mir hier schon einige sprachliche Entgleisungen geleistet.

Naja… Ich Trekkingschuhte also los. Heute gab es nur 18km, da ich Maritas Tip annehmen wollte in Ruitelan zu stoppen, da es hier ein vorzügliches Abendessen geben sollte. Mein Baucherhaltungstrieb war stärker als mein Wandertrieb. Ich eigne mich vermutlich nicht zum Bison oder Gnu oder Zugvogel… Ich bin ein stationäres Lebewesen… N Pandabär in nem Zoo in der Südsee.. Das könnte mir gefallen… Doch ich schweife schon wieder ab…

Ich verließ Villafranca und trauerte auch nicht groß. Diese Stadt hat nie was zur Weltgeschichte beigetragen… Ich sage das nur, um die Stadt schlechtzumachen, denn es war dort sehr kalt und vermutlich hatte Villafranca del Bierzo die oberkrasse weltgeschichtliche Bedeutung und da ich mich darüber ärgern würde, wenn es so wäre, werde ich das nicht googeln.

Nagut.. Ich habe es gegoogelt… Anscheinend bekamen Schwache und Kranke Pilger hier in heiligen Jahren den Ablass, wenn sie nicht auf den O Cebreiro konnten… Ich bin schwach und krank 🙁 Warum krieg hier meine Compostela nicht?

Wie dem auch sei… Ich schleppte mich vorwärts… Meter für Meter. Der Weg war heute mental anstrengend. Zum einen war es kalt und es nieselte und zum anderen ging es immer an Straßenrändern durch hohe Berge… Streckenweise gesichert durch Beton- oder Metallsperren.

Kleiner Tip für alle, die noch vorhaben den Weg zu gehen: Wenn ihr auf Straßen geht, geht immer am Rand der Gegenfahrbahn.. Es stehen genug Kreuze von Toten Pilgern am Wegrand und das nicht ohne Grund. Oft heizen Autos, LKW und Busse saunah an euch vorbei und ihr habt wegen eures Rucksacks eine höhere Reaktionszeit…. Spielt nicht mit eurem Leben. Das meine ich ernst. Auch ich bin hier einmal beinahe von nem Bus überfahren worden… Aber zurück zu meinem Tagesbericht… 😐

Der Tag war grau wie ne Katze in der Nacht….

Ich frag mich ob nachts auch schwarze Katzen grau sind?

Ich weiß nicht, aber heute fiel mir alles schwer. Ich machte mehrere Kaffeepausen und brauchte trotzdem 5 Stunden für 18km.

Keine Ahnung was da los ist. Dazu nieselte es und wurde merklich kälter.

Ich hatte das dringende Bedürfnis nach Schokolade und trank dazu Albernerweise nen Kaffee mit viel Zucker (für mich ungewöhnlich) und ne Coke Zero…. Erkenne den Fehler…

Um 14 Uhr kam ich in der Herberge an und hatte ne funktionierende Heizung im Zimmer… GOTTSEIDANK

Und bin alleine hier. 🙂

Ich bat die Hospitaleros um ne Scheibe Brot und bekam ne sehr leckere Bratkartoffeltortilla. Die beiden Hospitaleros sind sehr nett, zwei ältere Herren. Keine Ahnung, ob sie ein Paar sind. Einer von ihnen ist professioneller Koch und fasst mich immer so kumpelhaft an.. Das finde ich nur so semicool.. Aber grundsätzlich sind sie und die Herberge „Pequeno Potale“ nett, sauber und zu empfehlen. Die Dusche war supergeil.

Ich aß das ganze Brot auf.

Den Rest des Tages verbrachte ich im Bett und merkte, dass ichsowohl mental als auch körperlich ausgepowert bin. Keine Ahnung was da grad abgeht. Vielleicht hat jeder auf dem Weg mal so ein Tief, aber ich bin voll ausgelaugt grad. Es war ne sehr gute Entscheidung hier herzugehen und nicht gleich den O Cebreiro anzugehen. Danke Marita!!!

Ich merke, ich freue mich auf Zuhause auch wenn ich hier jeden Tag und jede Minute genieße aber ich merke halt auch die 600km…und es ist das erste Mal, dass ich überhaupt Wandere… Vielleicht liegt es daran. Und wenn ich schreibe, dass ich mich auf Zuhause freue, ist das für mich ne krasse Aussage, da ich mich zum Einen nie irgendwo Zuhause fühle und zum Anderen mich immer fortwünsche 🙂 Das ist echt n Fortschritt.

Das Abendessen war Hammer und ließ keine Wünsche offen…

Es gab den Salat nicht etwa als Hauptspeise. Es war einfach der Salat dazu… Oo Es gab ne sauleckere Möhrensuppe, den obercoolen Salat..und eigentlich war ich da schon satt… Ich meine… Wer mich kennt weiß: Ich besiege jedes Abendessen. Ich fress euch auch zwei Familienpizzen alleine und hab danach immernoch Platz für Eis… Aber ich war danach schon satt…

Doch: Kennt ihr die Szene aus Asterix erobert Rom, wo Obelix die Essenschallenge machen musste? So kam ich mir vor.

Als Hauptspeise gab’s Pasta und als Nachspeise

Obstsalat… Eigentlich war ich da froh drüber, denn ich habe das Gefühl, ich brauche Vitamine…

Naja Pappsatt rollte ich danach ins Bett und werde wohl auch bald Schlafen.

Meine Glückwünsche gehen heute an Denny, der seine schriftliche Prüfung zum Altenpfleger bestanden hat…sei stolz auf dich… An Marita und ihren Mann nach Pamplona, und an die Gruppentheraphiegruppe aus Hannover 🙂

Morgen geht’s auf den O Cebreiro… Diesmal wirklich. N8!

Kommentare

3 Kommentare zu „Tag 33: Krokodile….“

  1. Avatar von Audrey im Wanderland

    Du Armer! Das Stück heute war echt ätzend. Ich erinnere mich an dieses Szenario, wo man auf einmal auf diese Riesenstraße zuläuft und denkt, man habe sich verlaufen. Und dann kommt der Weg vorbei an der Straße. Schön auf diesem Betonpfad. Ist der immer noch so schief? Das war eins meiner absoluten Lowlights. Und das in strömendem Regen. Aber glaub mir, das Hobbitdorf morgen und die Aussicht werden dich morgen entschädigen, versprochen! Und dann bist du ja schon fast da, ob mit oder ohne Krokodiltränen sehen wir dann.

  2. Avatar von pandabaerh

    Schief und rutschig 🙂 und die fußwege auf denen man ab und an geht sind schön vereist ^^. Bin schon gespannt auf das hobbitdorf. Stimmt es dass die Herberge in o cebreiro nur kaltes Wasser hat?

  3. Avatar von Jacqueline Richter
    Jacqueline Richter

    Armes Hasi…oh je..das klingt wirklich nach nem miesen Tag…aber die gehören halt dazu..im Leben, und auf dem Camino…
    Hoff Du hast gut ausgeschlafen und wünsch Dir für heute mehr Glück mit dem Wetter, dem Weg und freu mich auf Bilder aus Hobbingen 😉

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