Tag 22 – 24: F*ck your fear 🙂

Sorry, es war einige Tage still, aber es gab viel zu entscheiden, viel zu organisieren und ich brauchte einen Camino-Reset 🙂

Ich mochte die Via Podiensis in Frankreich. Ich habe dort gut 300-350km gemacht…ich muss das mal ausrechnen.

Ich habe wundervolle Dinge dort erlebt… Conques, Little India, Cahors, gute Gespräche, tolle Landschaften… Figeac, das Kloster in Condom, Isabelle,Jonas (liebe Grüße)…usw usw…. und ja es stimmt: der Camino ist überall da, wo du dich drauf einlässt… du brauchst da keine markierte Straße für… aber auf dem Camino ist das alles halt ungleich krasser…

Dennoch muss ich sagen, hatte ich so meine Kämpfe mit dem Camino in Frankreich… die Steigungen haben mich hart gefordert, meine Schuhe gingen kaputt… die Temperatur lag zwischen 4 und 35 Grad… ich hab mich verlaufen, hatte Blasen…. oh man…

Ich hab durchgehalten und ich denke, das, was ich dort lernen sollte ist, mein Ding zu machen, meine Entscheidunge zu treffen, ohne mich schlecht zu fühlen… das fiel mir schwer und ich glaube, das sollte ich lernen.

Denn auf der superheißen Etappe nach Aire sur l’adur mit gefühlten 40 Grad ohne Schatten holteich mir 3 Blasen direkt UNTERM Fuß… und das…tut…weh!

Und an diesem Tag musste ich für mich ne superschwere Entscheidung treffen:

Geh ich die Podiensis weiter? Abgesehen davon, dass sie mich echt fordert, gebe ich da pro Tag ca 40 Euro aus und das übersteigt mein Budget doch erheblich.

Oder setze ich mich in den Zug und fahre nach St jean pied de port und gehe auf den Camino Frances? Es wäre wie ne Niederlage für mich… ich hab groß getönt ich tus und Brechs dann ab….

Aber ich habe dort auch über 300km durchgehalten und wenn ich den Camino Frances durchziehe, mach ich die 1000km locker voll…

Ich entschied mich nach Rücksprache mit meinen Facebookfreunden für St jean pied de port und den Camino Frances und glaube ich habe das auch gut entschieden… und da meine Schuhe, die Busfahrt und Co echt teuer waren, habe ich beschlossen immer am Ende meines Blogs meine Paypal-Email anzugeben, falls jemand Bock hat, mich zu unterstützen. Ist unangenehm, aber trotzdem. Wer mag kann was geben, wer nicht, ist auch gut ^^

So…

Achja… in St jean pied de port stieg ich in ner christlichen Herberge ab und durfte auch 2 Tage bleiben zum heilen… Abends wurde dort Ultreia gesungen… das ist toll.

Tja und heute? Heute stand ich einem alten Trauma gegenüber… nämlich der ersten Etappe des Camino Frances.

Damals im Dezember 2018/19 bin ich völlig unvorbereitet mit richtig schlechter Ausrüstung und 25kg Gepäck auf den Jakobsweg gegangen und habe nicht gefrühstückt. .ich bin auch nie mehr als 1km gegangen ^^ Gute Voraussetzungen 🙂

Nuja und ich stiefelte los…24km und mal eben über die Pyrenäen und hab dann erst mal zu spüren bekommen, dass der Camino kein Kinderspiel ist, denn mitten in der Steigung begann ein Schneesturm und mich verließen alle Kräfte… die Polizei rettete mich damals und brachte mich nach Roncevalles…und ich zog den Camino durch…. aber diese erste Etappe war ne offene Wunde…

Und heute stand ich ihr wieder gegenüber und war gewillt, es durchzuziehen.. ich wollte eigentlich wieder die Route über die Straße nehmen… aber der Camino hatte anderes mit mir vor…ich verpasste die Straße und war dann auf der Bergetappe… 25km…mit über 1200 Höhenunterschied…

Nuja…danke Camino…du willst es also wissen… ich auch!

Und ja, es ging bergauf…ich meine…es ging bergauf…der Plan war es ja, Heute zu Fuß die Pyrenäen zu überqueren…und es ging bergauf…und ich quälte mich super… vor mir war ein netter Koreaner, dessen Name ich nicht aussprechen kann… er sagt, ich soll ihn O nennen… Sein Familienname..kann ich mir merken…. er quälte sich genau so… alle 20m Pause…atmen. weiterquälen.

Und ständig hüpften so Trailrunner an uns vorbei und ließen Kommentare über unsere Rucksäcke ab… ich hätte ihnen meinen Rucksack am liebsten quer in den…. naja…egal…ja, es ärgerte mich schon.

Zumal: Was sollte ich, selbst wenn ich wollte, jetzt im Berg daran ändern?

Kümmert euch um euren Camino!

Aber langsam und beständig ging es voran und immer höher…. ich war im Gebirge, ja…ich war mitten in meiner Angstetapppe…und es sollte noch schlimm werden ^^

Ich meine, ich zog es durch, wie ein Berliner ne Line Koks und die Etappe hatte 5 Sterne…als Schwierigkeitsgrad… erinnert euch an den Blogeintrag zu Conques oder Cahors… die hatten 3 Sterne… der Tag heute 5

Und dann auf nem Bergkamm zog ein Gewitter auf… ich war irgendwo bei 900meter… keine Bäume, keine Häuser, kein Schutz… Blitze direkt um mich, Sturm, Hagel und Starkregen… es war das Sommerequivalent zu 2018/19… der Sturm zerfetzte fast meinen Regenschirm aber der Regen, also Starkregen kam eh fast vertikal und meine Schuhe liefen voll… Wasserschwälle rannen die Straßen herab… Blitze, Donner… ich klatschnass…

Was konnte ich tun? Umdrehen? Das wären viele Kilometer gewesen… weitergehen…. ich kämpfte mich weiter… alle vor mir drehten um und flüchteten bergab.. mit mir harrte ein Taiwanese aus…Auch er…nass…. er brüllte nur: „Thats Crazy!“

War es auch ^^ Es war ein total verrücktes Inferno. Irgendwann als wär nix gewesen ließ das Inferno nach und die Sonne kam raus… ich lebte noch war aber nass bis auf die Haut…Auf 900 Meter…

Ein Autofahrer hielt an und bot an mich nach Roncevalles zu fahren…für 35 Euro… Auch das war wieder ne Parallele zu damals…ich war echt in Versuchung, lehnte aber ab, zog mich einfach auf der Straße aus, zog mich um, kippte meine Schuhe aus und fightete weiter.

Und irgendwann war ich dann auf 1200 Metern!

Ich hatte den höchsten Punkt erreicht… dachte ich…es kamen noch fiese Steigungen…aber es war der höchste Punkt…

Das bedeutet aber nicht dass es vorbei war, denn ich musste noch 1200m bergab… über Wald und Geröllpfade… Wer das kennt weiß, was ich meine… ich fightete tapfer und der Weg nahm und nahm kein Ende… und mittlerweile war ich auch echt kaputt.

Doch nach 9 Stunden erreichte ich das Kloster in Roncesvalles… nassgeschwitzt, müde, kaputt… ein Volonteer meinte: Du hast es geschafft und ich musste echt heulen.

Der Camino wollte wissen, ob ich etwas gelernt habe…und yeah man…hab ich…ich hätte aufgeben können…aber ich habs durchgezogen… Schwierigkeitsstufe 5…zu Fuß über die Pyrenäen…

Auch O kam nach 11 Stunden an 🙂 Morgen sind wir zusammen in einer Herberge, darauf freue ich mich :))) aber ich und Koreaner .das geht klar ^^

Tja…ich bin kaputt aber glücklich. Ich habe meine Angstetappe bezwungen und gute Entscheidungen getroffen. Ich bin stolz auf mich….

Gleich geh ich pennen… Bin sau kaputt ^^ aber Grüße gehen raus an Florian ^^

Morgen geht’s 1km nach Zubiri… Schwierigkeitsstufe 3… ^^ Urlaub ^^

So…ich hau meine Spenden-paypaladresse raus und sage danke an jeden 🙂 Micahenkel@web.de

N8 Leute

Kommentare

Ein Kommentar zu „Tag 22 – 24: F*ck your fear :)“

  1. Avatar von Lene Pracht
    Lene Pracht

    Na Hallo Du,
    ich versuche deinen Blog so oft es geht zu lesen und bin fasziniert von deinem Willen das durch zu ziehen. Ich persönlich wollte ja neulich auf einem Kinder Naturlehrpfad schon hinschmeißen als es mehr als 100m Bergauf ging 😅 Die Blasen sehen wirklich sehr schmerzhaft aus und bei Gewitter auf nem Berg möcht ich mich auch nicht wieder finden (btw. ich hab gelesen, ohne Deckung soll die sicherste Haltung „Poppes nach oben, Kopf nach unten“ sein^^) Ich bin nach deinen Beiträgen voll überzeugt, dass du das zu Ende bringst und gestärkt zurück kommst. Mach weiter so!
    LG Lene

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