Ich glaube, der Spruch mit dem Hassen und gehasst werden von gestern ist vor allem eine Außensichtweise.
Man selbst nimmt seinen eigenen Erfolg ja wahrscheinlich nicht als etwas negatives wahr. Den von anderen vielleicht schon,wenn man missgünstig oder neidisch ist. Generell glaube ich aber nicht, dass jemand, der mit etwas Erfolg hat, auf einmal sagt:“Huch, nun wechsel ich ja vom Lager der Hassenden ins Lager der Gehassten.“
Zumal sich, behaupte ich mal, nur die wenigsten selbst zuschreiben würden, dass sie hassen. Es ist wahrscheinlicher dass man sich Neid eingestehen, als sich selbst zum Lager Hassender zu zählen, die nur deshalb hassen, weil andere Erfolgreich sind.
Ich finde, das ist eine sehr pessimistische und deutsche Sicht auf die Dinge. Ich kann mir gut vorstellen, dass Erfolg in anderen Kulturkreisen ganz anders aufgenommen und bewertet wird.
Ich hasse niemanden für seinen Erfolg. Ich bin aber schon ab und an neidisch. Gebe ich zu…ich bin aber auch gläubig und spirituell genug um zu wissen, dass es nicht auf das weltliche ankommt… aber dazu später mehr…
Denn erst einmal erwachte ich in der tollen, deutschen Herberge mit dem tollen Pilger vibe und frühstückte.
Ich fand das Ultreia-singen gestern toll und merke, es hat mir noch mal verdeutlicht was ich hier eigentlich tue. Ich bin noch mal ein Stück mehr angekommen….
Abgesehen davon stand heute nur eine 16km kurze Etappe von Montral du Gers nach Eauze an und dementsprechend geschillt war ich.

Ich bedankte mich bei Anita, die selbst jedes Jahr Pilgert und Jean-Luc, der schon 7 Jakobswege gegangen ist, für einen tollen Aufenthalt und Trekkingschuhte den Pyrenäen ein Stück weiter entgegen
Überhaupt sind die neuen Schuhe gut… sie sind leicht und fühlen sich ganz anders an als die Stiefel. Ich komme gut vorwärts und meine Zehen schmerzen weniger.
Doch die 160 Euro fehlen in meinem Budget und ich weiß nicht, wir ich es auffangen soll… ich muss die irgendwie einsparen und habe keine Ahnung wie.



Lieber Camino, da muss leider eine Lösung her….
Ansonsten war der Weg super und einfach heute…sanfte Hügel, viel geradeaus…herrlich… ich kam so schnell vorwärts, dass ich nur 4,5 Stunden mit Pause brauchte….
Ich nutzte die Gelegenheit, um mir bei Spotify das Matthäus-Evangelium reinziehen beim Laufen. Ich hatte es ja in Conques von den Mönchen bekommen, als ich in der Kathedrale auf Deutsch vorlesen musste ^^

Zu vielem hatte ich jetzt nicht so den Bezug, auch wenn ich einiges was Jesus so erzählt hat auch nachvollziehen kann.
Allerdings sagte er gerade in der Bergpredigt schon auch einges relevantes, wie ich feststellen musste.
Ja, ne… nicht „Gesegnet sind die Skifahrer.“ ^^
Sondern zum einen, dass es wichtig ist zu vergeben. Auch wenn einem Unrecht getan wird. Wenn man in Hass, Verletzung und Wut feststeckt, ist man nicht frei und kann sich nicht entwickeln, weil diese negativen Gefühle einem einfach an Bestimmten Ereignissen im Leben festhalten.
Das war und ist in sofern relevant, weil ich bis heute nicht weiß, wie ich mit meiner Ex-Beziehung umgehen soll…bezw dem Umstand der Trennung… da ist so viel Scheiße passiert… ich hab sogar meinen Job wegen der Person verloren… ich hab mir da so viel an Verletzung abgeholt, dass ich bis heute nicht weiß, wie ich das verarbeiten soll..ich bin emotional wie gelähmt und hab bis heute nicht heulen können… ich weiß, dass ich mich dem stellen muss und bin auch deswegen unter anderem hier…
Aber ich blende und blocke das total weg… ich will die Person auch nich schlechtmachen jetzt, oder ins Detail gehen… aber das hier ist ein Blog, der schon auch allen Lesern und Leserinnen zeigen soll, was es bedeutet zu Pilgern, was es bedeutet, mit sich zu kämpfen und sich mit sich auseinanderzusetzen… das ist ja ein essentieller Teil einer Pilgerfahrt… Schau in dich, Schau um dich, Schau über dich. Ihr sollt hier gar nicht nur den super Abenteuerreisebericht kriegen… in sich zu gucken ist oft unangenehm, weil man da vieles findet, was man nicht sehen will..
Und Leute…ich habe diese Person einfach sehr geliebt… ein Teil von mir tut das auch noch… aber es ist so viel verletzendes Zeug passiert, dass ich irgendwann mitten im Gespräch einfach aufgelegt hab… und das wars. Kein Tschüß. Keine Tränen. Kein hinterherlaufen… nur eine große Stille, eine tiefe Traurigkeit und ein vergebliches Hoffen auf Briefe oder ein Telefonklingeln.
Ich bin traurig und verletzt, aber auch ich fühle mich schuldig, weil ich einfach aufgelegt habe und Tag für Tag stelle ich mir die Frage, wie ich meine Seele und mein Herz befrieden kann. Soll ich mich melden?
Eigentlich wünsche und hoffe ich, dass die Person ankommt und das Gespräch sucht. Andererseits hab ich da Angst vor und noch mehr Angst, dass die Person das gar nicht will… Ich wünsche mir Verständnis und Einsicht und irgendeine Art von Erlösung… und hoffe ins Dunkel.
Und Jesus sagt dann aber in der Bergpredigt, dass man sich von solchen Gedanken und Gefühlen frei machen muss… dass man vergeben muss und loslassen muss…dass man nur dann spirituell wachsen kann, wenn man sich frei macht von all dem weltlichen und schmerzhaften… keine Ahnung ob ich das in der Hinsicht kann…
Am Schmerz festzuhalten bedeutet ja auch, dass man noch nicht bereit ist, die Person gehenzulassen… wenn nur der Schmerz bleibt, so bleibt doch was…
Ich merke, dass ich an dieses Thema irgendwann hier noch mal ran muss und hab da keinen Bock drauf…und ich weiß auch, dass die Bergpredigt recht hat…. aber was am Ende dabei rumkommt? Keine Ahnung…

Außerdem war noch spannend am Matthäusevangelium, dass Jesus meinte, dass man mildtätig und gut sein soll im Stillen…ohne darüber zu reden…ohne das Ziel zu haben, als guter oder religiöser Mensch gesehen werden zu wollen.
Und dass Gott sich um die Kümmern wird, dieses weltliche Streben ablegen und sich dazu entscheiden, Gottes Weg zu folgen… denen wird er geben was sie brauchen…. das war nochmal ein toller Denkanstoß, den ich sicher mitnehmen werde auf den folgenden Weg. Denn ich frage mich halt schon, was wichtig ist im Leben und wohin mein Leben gehen soll.
Wobei das nicht in der Bergpredigt war, sonder in der Gleichnisgeschichte… wo Jesus halt den Dorfbewohnern sagt, guckt euch die Lilie da an… sie ist mega nackt, aber sie tut was Gott möchte dass sie tut, darum kümmert er sich um sie… und wenn wir uns mehr darum kümmern gottgefällig zu leben, wird er sich schon darum kümmern, dass wir kriegen was wir brauchen… denn Gott weiß, was wir brauchen…
Ja, Gott… suchet, so werdet ihr finden, bittet, so wird euch gegeben, klopfet an, so wird euch aufgetan… Auch Matthäusevangelium…. aber in meiner dunkelsten Stunde während der ganzen letzten Scheißzeit… als ich da darum gebeten habe, dass vielleicht n kleiner Hinweis oder Rettungsanker mal ganz wichtig wäre… wo warst du da? Da gab’s nix zu finden und nix, was gegeben wurde…
Naja :/ ich will mich nich beklagen
Es gab heute viel Input und der will verarbeitet werden 🙂
Aber nu mache ich mir ne Tütensuppe
Ohren Wuaah

Schreibe einen Kommentar