Tag 50 und 51: … und manchmal bist du für dich selbst der Camino.

Wir sollten unsere Überzeugungen nicht nach ihrer Plausibilität bewerten, sondern nach dem Schaden den sie anrichten können. (Taleb, Federicos Buch)

Wenn ich ne Überzeugung habe, gehe ich davon aus, dass sie gut für irgend etwas ist, nicht schlecht. Was nützen denn schädliche Überzeugungen?

Klar hatte ich in meinem Leben Überzeugungen, die mir oder anderen geschadet haben.

Ich war sehr selbstzerstörerisch unterwegs und bin es vielleicht immer noch.

Drogen sind nicht gut für den Körper und das soziale Umfeld… für die Erweiterung des Geistes sicher, aber sie haben doch mehr schädliche Aspekte als gute… diese Erfahrungen muss man aber erst machen… man kann niemandem eine schädliche Überzeugung vorwerfen… wenn er nicht die nötigen Erkenntnisse über ihre Schädlichkeit hat. Aber das ist ein (Lern)Prozess.

Wer eine Überzeugung hat und ihre Schädlichkeit bewertet, sollte vielleicht die die Überzeugung hinterfragen.

DAS, Herr Taleb, wäre es doch wert, in Ihrem Buch zu stehen, oder? ^^

Doch zunächst einmal erwachte ich in dieser Hippie-Albergue. An sich mag ich Hippie-Flair, aber leider war der Hospitalero sehr narzisstisch unterwegs und man musste ihm irgendwie immer sein Ego polieren und man war halt durchgehend in seinem Space. Das war anstrengend für mich.

Als dann der Joint rumging, lehnte ich dankend ab und ging ins Bett.

Am nächsten Morgen verließ ich die Herberge dann Richtung Fancebardon.

Dabei verlief ich mich aber und landete in nem Siux-Reservat in Nordamerika. Kann ja mal passieren ^^

Ein freundlicher Indianer zeigte mir dann den Weg zurück zum Camino :)))

Generell geht es jetzt mehr und mehr bergauf und es wird hügeliger. Ich nähere mich Galicien und damit dem Ende meiner Reise.

Einerseits schade, andererseits gut ^^

Naja, der Weg war okay und da erkenntnistechnisch nicht so viel bei mir los war, kommt heute halt wieder n 2-Tages-Blog.

In Foncebardon…Achne, ich poste kurz das Streckenprofil, damit ihr wisst wohin es ging.

Foncebardon ist n kleines Dorf, oben auf dem Berg und dort war groß Wiedersehen angesagt… mit den Italienern und einigen ääanderen, die man so vom Camino kennt. In der Herberge waren ultraviele Deutsche…was cool ist, oder auch nicht…je nachdem.

Ich lernte da auch Klaus kennen, einen netten Süddeutschen, mit dem ich gut reden kann.

Der Abend dort verlief gut. Aber am nächsten Morgen, also heute, lief es schon beim Aufstehen scheiße.

Um 5 klöterte der erste rum, beendete mir mit seiner scheiß Stirnlampe ins Gesicht und packte den Rucksack im Bett… geil.

Ich stand also schon mit schlechter Laune auf.

Als mich dann noch wer ansprach. Ob mein Rucksack nicht zu schwer wäre und was er denn wöge, schimpfte ich und machte nen dramatischen Abgang.

Sowas kann ich gut…

3,2,1 – Draaaamaaaaa

Aber das ging halt garnich..die Frau meinte das auch nich böse, aber wenn man jeeeeeeedeeeeen Tag die gleiche scheiß Frage zu hören kriegt…dann olatzt einmal irgendwann der Kragen. Leute…kümmert euch um euren Camino…

Ich zog schlechtgelaunt von Dannen und ließ einen Kondenzstreifen aus Verachtung und allgemeinem Unmut hinter mir.

Auch wenn der Sonnenaufgang sich Mühe gab… sorry, Sonnenaufgang… wenn ich schlechte Laune habe, habe ich schlechte Laune

Deshalb an dieser Stelle zwei aufmunternden Bilder:

Aber das war gut, denn wütend bin ich schnell. Also peste ich los und kam bald am Cruz de Ferro an. Einem der Camino Höhepunkte, der aber schon auf die Kelten zurück geht. Man bringt einen Stein von Zuhause mit, stellvertretend für Sorgen und Wünsche und legt ihn dort ab. Auch von mir liegt dort seit 2019 einer.

Die Wanderung in den….sinds Berge?….. Bergen Richtung Ponferrada war schön. Aber der Abstieg hart.

Ja, der Jakobsweg ist schön…und ich signierte vor mich hin und dachte an alls, was ich so erlebt hatte und kam irgendwann bei dem Gespräch mit der Frau an die den Weg geht, weil sie auf ein Wunder Gottes für das Krebskranke Kind eines Freundes hofft.

Ich sagte ihr damals, dass ich ihr das Wunder wünsche, aber es durchaus sein kann, dass sie hier Aktzeptanz für eine wirklich beschissene Situation finden wird… uns dass diese Aktzeptanz letztlich auch dem Kind helfen wird, sich nicht verantwortlich für irgendwas fühlen zu müssen.

Sie hat das damals sehr getroffen und ich würde gerne wissen, wie es ihr geht.

Aber ich war sehr bei mir heute und dachte über das nach, was mich auf den Weg getrieben hatte…

Ich wollte unter anderem heulen, wegen einer ungerechten und schmerzhaften Herzschmerzgeschichte…

Der Camino hatte mir keine Tränen geschenkt bisher. Keine Erlösung . Kein Frieden

Und plötzlich war es mir, als würde neben mir der Mica von vor 6 Wochen gehen, der mir sagt: „Vielleicht sollst du keine Erlösung finden. Keine Tränen. Vielleicht ist diese Geschichte einfach ungerecht und scheiße. Vielleicht findest du am Ende Aktzeptanz für eine echt beschissene Situation…“

Das kam krass…ging es darum?

Ja, es tut weh,ja es ist ungerecht, schmerzhaft…ich bin traurig und leer und fühle mich verlassen und ungeliebt… aber die andere Person schweigt. Sie kommt nicht zu mir und sagt mir, was ich brauche. Ich finde keine Erlösung und keinen Frieden.

Der Krebs des Kindes wird vermutlich nicht verschwinden…

Vielleicht geht es darum, diese ganze Situation anzunehmen und zu akzeptieren, damit ich meinen Frieden damit machen kann…

Vielleicht war ich heute der Camino für mich…. vielleicht war ich es vor 6 Wochen schon, ohne dafür offen zu sein…

Vielleicht ist es einfach so,wie es ist…und ich hab hier die Möglichkeit stattdessen zu sehen, was ich alles kann und hab, statt zu sehen, wasmich alles klein, hässlich und unglücklich macht?

Mag sein…am Ende gibt der Camino einem doch immer was man braucht, nicht was man sucht…

Krass

Nuja… morgen geht’s weiter, dann sind es nurnoch 190km nach Santiago und 290 nach Finisterre…

Übermorgen treffe ich dann Marita ^^

Und heute grüße ich mal Nina und Marco und Andreas und Manu ^^

So….ihr Wauzis…. machts gut

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