Tag 41: „God Puts People in the right place.“

Okay, Gott… lass mal reden…

Ich hatte heute nen Auszeittag und und daher Reisetechnisch nix zu berichten… ich hab notwendige Sachen gemacht und einfach ausgeruht… und halt nachgedacht.

Weißt du, Gott, ich hab mit einigem echt so mein Problem… gerade was Dich betrifft und das war ja auch mit ein Grund den Camino zu gehen.

https://youtu.be/Ride6rGB3zw

Der Song beschreibt es eigentlich ganz gut… Tief in uns allen ist ein Nichts… so sehr ich auch suche: Ich finde dich nicht! Ich seh dich nicht…

Es ist nicht so, dass ich nicht an Dich glaube. Im Gegenteil: Ich glaube schon an Dich.

Keine Ahnung, ob das nur eine Rettungsboje war und ist… ich kann mir gut vorstellen, dass ich ohne den Glauben, an einen Sinn hinter dieser ganzen Scheiße durch die ich, seit ich denken kann, kriechen musste, beim Heroin gelandet wäre oder mich weggehängt hätte. Ich kann bis heute jeden verstehen, der diese Wege einschlägt, denn ich hatte in meinem Leben selbst mehr als genug Gründe dafür.

Ich geh da jetzt nicht ins Detail, das geht auch keinen was an. Aber ich hab irgendwann angefangen zu glauben, dass hinter all dem Dreck irgend ein Plan stecken muss…irgend ein Grund… dass Scheiße nicht nur rein zufällig in einem zufällig entstandenen Universum passiert, sondern dass es einen tieferen und spirituelleren Grund für alles geben muss.

Dass ich vielleicht nicht nur Evolution bin, sondern eine Seele habe, die hier ist um zu lernen und zu Reifen. Und dass das nur über Lektionen und Karma geht. Und dass Karma halt auch schlimme Lektionen beinhalten muss, damit man das Notwendige lernt und die Seele daran wächst. Und am Ende irgendwann, wenn man sich bemüht und sein bestes gibt, vielleicht irgendwann und irgendwo Erlösung auf mich wartet und Licht und Liebe und Leute kommen, die ich vermisse und mir auf die Schulter klopfen und sagen: „Schön, dass du da bist.“

Daran habe ich geglaubt. Das hat für mich immer Sinn gemacht und mich durchhalten lassen und deshalb war die Welt, so materiell sie auch ist, immer ein spiritueller Ort für mich, denn ich war ja da um zu lernen.

Und Du? Warst zwar immer der Auslöser, der Grund und das Warum dahinter, aber Du warst immer abstrakt, nicht greifbar, fern…. So sehr ich auch suchte, ich habe dich nie wirklich gefunden, aber immer an Dich geglaubt.

Und immer weitergemacht… Durch jedes Tief, jede Schwierigkeit, jede Prüfung immer in dem Wissen, es geschieht aus einem Grund.

Die Geschichte ist voll von Leuten, denen Du anscheinend erschienen bist… was mich angeht, ziehst du es anscheinend vor, die Fresse zu halten. Und das ist Schade, weil ich mich so nie ganz auf Dich einlassen konnte und immer irgendsoeine Art unüberbrückbare Leere zwischen uns war… und dementsprechend habe ich spirituell auch nur halbgar rumgestümpert.

Versteh mich nicht falsch.. Mein gesamtes Leben ist auf dieses „Wir sind hier um zu reifen“- Ding ausgerichtet. Ich glaube an ein Leben danach. Und eine Welt danach.

Ich glaube ich war 9, als ich begriffen habe, dass irgendwann der Moment da sein wird, an dem ich sterbe. Das hat alles für mich verändert… ich habe mich als sterblichen und demnach existentes Wesen wahrgenommen.

Ich hatte nie wirklich Eltern und bin mein Leben lang alleine durchs Leben gegangen und hatte genug Zeit, mir über meine Existenz Gedanken zu machen.

Eine der Fundamentalisten und tiefgreifensten und erschreckenden Erkenntnisse war, dass ich existiere. Dass etwas existiert. Dass es etwas wie Existenz gibt. Wir nehmen das und das Weltall und alles, was uns umgibt als so selbstverständlich wahr… aber wie unfassbar es ist, dass es diesen existenten Zustand überhaupt gibt ist für mich ein Beweis für Deine Existenz… Angesichts der Fundamentalität und der Möglichkeit von Nichtexistenz, ist Existenz einfach krass…

Und ich bin mittendrin.

Okay, Challenge accepted Gott, ich habe begriffen, dass das Leben mehr sein muss als Evolution

Aber warum schweigsam du mich so an? Warum gibt es so viele schlimme Dinge, die anderen Menschen und Lebewesen passieren?

Warum, verdammtnochmal, prügelst du mich ständig durch Lektionen, die ich nicht verstehe? Du musst doch sehen, dass ich sie nicht checke und ich zu dumm für deine Subtilitäten bin.

Ich hab echt viel ertragen und mitgemacht, immer in der Hoffnung darauf, irgendwann ein Lebenszeichen von Dir zu bekommen.

Bis zum Januar dieses Jahr… da war Dein scheiß Schweigen zuviel.

Ich hatte innerhalb von 3 Monaten nen familiären Schicksalsschlag zu verkraften und dann eine ziemlich heftige Trennung, die sehr unangenehm war und habe gleichzeitig in einer hässlichen Geschichte meinen Job verloren…

Ich hatte echt ne scheiß Zeit und Du sagst in deiner scheiß Bibel doch selbst: Suchet, so werdet ihr finden, Bittet, so wird euch gegeben, klopfen an, so wird euch aufgetan.

Bla bla bla, Laberei… ich war offen, hab gebeten und angeklopft und Du? Wo warst du?

Schweigen ist Dein Name, Gott und die Leere zwischen uns ist Deine Gestalt.

In der Freimaurerei bin ich Dir nähergekommen… weil ich über das Nachdenken von Licht und Werten einen viel unmittelbarer Zugang zu Dir gefunden habe, als es Kirchenbänke und Bibelverse konnten.

Ich habs echt versucht… immer wieder… aber in Kirchen fühle ich nix…ich sehe Dich dort noch weniger als eh schon.

Deine Nichtantwort an dem einen Tag… Du wirst Dich erinnern, falls Du so cool bist wie man sagt… Dein Schweigen an dem Tag hat mich an Dir zweifeln lassen.

Und ich bin unter anderem hier auf dem Camino, um die Frage zu stellen, wo Du bist. Wer Du bist. Warum Du nicht mit mir sprichst.

Det Camino ist besonders. Er ist spirituell. Wenn man offen ist, geschehen hier krasse Sachen. Es ist so…man findet hier Sachen und man ist dem Gefühl von „Ja, es gibt Dich.“ Etwas näher.

Die Leute, mit denen ich hier über Dich rede sagen, du sprichst nicht in Worten. Du prüfst unseren Glauben. Angesichts von Krisen und Härten müssen wir an unserem Weg zu Dir festhalten. Du wirkst durch die Menschen.

Ja, ist so… Viele Menschen tun hier gutes. Sie sagen zum rechten Zeitpunkt die richtigen Sachen. Sie bieten mir Wasser an, wenn ich es brauche und ein Lächeln, wenn ich es brauche…

Aber es ist der Wille der Menschen das zu tun. Das bist nicht Du. Die Leute mit denen ich spreche sagen, dass Du sie zur rechten Zeit dort platzierst, wo sie sein müssen… ist das so? Sie sagen, du bist die Blume am Wegrand, der Regenbogen und die Kneipe, in der man die leckere Pizza ever kriegt.

Ja?

Bist du dann auch das Bolzenschussgerät im Schlachthof? Der Typ der nen verängstigten Hund tritt? Der Warlord, der Krieger aussschickt, um Menschen mit Macheten zu zerhacken? Der Gott, der junge Menschen vereinsamt in Bergen von Müll leben lässt?

Wo hast du den richtigen Menschen zur richtigen Zeit platziert, wenn Menschen Vereinsamung vor der Glotze sterben und erst nach Monaten gefunden werden…aber nicht, weil man sie vermisst, sondern weil es stinkt…? Wo?

Steckt da der riesen Plan hinter? Oder gibt’s den gar nicht? Gibt’s Dich gar nicht?

Ich habe immer an Schicksal geglaubt… an einem Plan hinter allem.

Ich hab deine Scheiß Prüfungen jetzt 44 Jahre ertragen und immer geglaubt.

Ja,es stimmt… das Leben gibt einem Immer wieder so kleine Winke und Hinweise und Denkanstöße und Anker und gute Wirte und es ist toll und hippiemäßig zu sagen „Oh wie toll, Gott zeigt sich.“

Als ich hier im Blog geschrieben habe, dass meine Schuhe kaputt sind, hat Florian mir einfach Geld geschickt… einfach so…

Das war der Moment, wo ich gezweifelt habe… wo ich hätte sagen können „Oh toll, Gott zeigt seine Liebe und kümmert sich“…

Aber um ehrlich zu sein, war es Florians Entscheidung das zu tun. Und zu sagen, er hat Dein Werk getan, schmälert sein Werk.

Ich verstehe, dass in einer materiellen Welt alles immaterielle Wege finde muss, sich zu matrialisieren und dass das nicht immer offensichtlich und direkt ist..und klar hättest Du Dich durch Florian zeigen können….

Haste aber nich… und hier auf dem Camino geht viel spirituelles, aber es geht von Menschen aus. Nich von Dir.

Du schweigst. Und prüfst.

Oder?

Ich bin ehrlich: Ich bin hin und hergerissen, Gott.. zwischen Glauben und irgendwas anderem…. ich hab noch 400km Zeit, mich damit auseinanderzusetzen.

Ich bin sehr gläubig. Ich glaube daran, dass ich hier bin um zu lernen. Ich glaube an ein Jenseits. Ich glaube an Nächstenliebe und Mitgefühl. Ich glaube an Licht und daran, dass Du Liebe und so bist.

Aber ich seh Dich Dich nicht

Tief in uns allen ist ein Nichts. So sehr ich auch suche… ich finde Dich nicht… ich seh Dich nicht. Ich seh Dich icht. (Hass – Ich seh Dich nicht)

Du darfst gerne zurück schreiben.

Vg

Mica

Kommentare

2 Kommentare zu „Tag 41: „God Puts People in the right place.““

  1. Avatar von Mona

    Hej Mica,

    ich lade dich ein, die ganze Sache mal von einem anderen Blickwinkel zu betrachten:

    Florian hatte den Gedanken, die Intuition, den Wunsch, den Instinkt, die Eingebung, das Nenneswiedueswillst, dir Geld für deine neuen Schuhe zu überweisen.
    Und genau das ist „Gottes Werk“.

    Und jetzt kommt der freie Wille ins Spiel: Florian hatte die Wahl, ob er dem Gedanken, dir Geld zu schenken, nackommt oder aber sagt „Nö, will ich nicht. Weil xyz“.

    Ich hoffe, meine Ausführung war verständlich. 🙂

    Buen Camino.

    1. Avatar von Florian
      Florian

      Das ist ein bisschen zu simpel 🙂

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