Tag 19: Ultreja

Für die meisten ist Erfolg der Übergang aus dem Lager der Hassenden in das Lager der Gehassten. (Federicos Buch)

🤨

Puh… ich muss darüber nachdenken Federico :/ Ad hoc weiß ich da nix schlaues zu zu sagen ^^

Klar kenne ich auch Neid…aber Erfolg darauf zu verkürzen…ich weiß ja nich…

Morgen dazu mehr, okay? Ich bin heute einfach auch etwas dumm…ne kognitive Sackgasse..keine Ahnung warum

Doch zunächst einmal erwachte ich nach einer tollen Auszeit in dem integrativen Wohnprojekt in Condom und hatte echt viel spirituell und energietechnisch für mich daraus mitgenommen… ich hätte noch länger bleiben können, aber ich hatte das Gefühl, der Camino hatte mir mitgeteilt, was er mir sagen wollte und darum wollte ich wieder los…

Mein Ziel waren heute nur 16km nach Montral-Du-Gers, wo ich in eine deutsche Alberge gehen würde…

Es gab einige Umarmungen und los gings… der Weg heute war toll und es lief echt gut… ich kam gut vorwärts und es war auch nicht zu heiß.

Und genau so heißt es ja auch in dem Pilerlied Ultreija…


     An jedem Morgen da treibt’s uns hinaus,

  An jedem Morgen da heißt es: Weiter!

  Und Tag um Tag da klingt der Weg so hell:

  Es ruft die Stimme von Compostell’.

Es ist ein stetes erarbeiten, sich abarbeiten, geben und kriegen, fluchen und lachen… aber man macht es aus einem Grund… um Kontakt zu sich, dem Leben was einen umgibt und all dem was uns spirituell ausmacht zu kriegen… sich damit auseinanderzusetzen, Grenzen zu spüren, sie zu überwinden und am Ende neue Erfahrungen zu machen… Darum ist es mir die Anstrengung, die Blasen an den Füßen, die Schmerzen und so auch wert… weil man hier zwar das Nötige immer geschenkt bekommt, wenn man es braucht, aber man sich das Wesentliche erarbeiten muss… undxdafür dann auch belohnt wird.

Ich bin wieder im Pilgerflow… und komme Stück für Stück voran, gehe weiterauch wenn ich manchmal nicht mag… Schaue dabei ganz freimaurerisch in mich, um mich und über mich und bin jetzt natürlich noch nicht an dem Punkt das megaspirituelle Fazit zu ziehen…aber ich bin auf dem Weg und das ist wichtig. Und das Spirituelle wird kommen…

Mein Weg führt übrigens immer wieder an Bambuswäldern vorbei… mir als Pandabär in nem falschen Körper sagt sowas natürlich zu, aber man erwartet sowas in Frankreich nicht unbedingt ^^ Irgendwie spooky aber cool.

Ich merke, ich komme so langsam aus der Phase raus, wo ich mich körperlich an den Camino gewöhnen muss und komme immer öfter jetzt in Situationen, wo ich mich mit mir, meinen Handlungen und auch meinem Alltag konfrontiere… das ist gut, denn es gibt da einige Baustellen…

Die Arbeitsgeschichte, die Trennung, wo ich bis heute noch nicht heulen konnte, andere Dinge, mein Ausblick in die Zukunft aber auch alles das, was gut ist…es ist ja nicht alles schlecht 🙂

Dennoch war mein Grund für den Jakobsweg ne richtig fette Lebenskrise und bisher hab ich all das auch schön ausgeblendet und weggeschoben… ich weiß, dass ich mich damit beschäftigen muss…und werde.

Ich bin hier auf einer spirituellen Reise, auf einem Weg, wo einem krasse Sachen passieren wenn man bereit ist hinzuhören… letztes Mal hat der Jakobsweg mein gesamtes Leben verändert… und ich würde mich nicht wundern, wenn ich auch dieses Mal die eine oder andere Lektion kriege.

Der Weg war heute angenehm hügelig ohne dabei richtig anstrengend zu sein. Es machte Spaß unterwegs zu sein und war immer noch dankbar für die Zeit in Condom.

Auch die deutsche Hospitalera heute meinte, das wichtigste, was sie auf ihren Jakobswegen gelernt hat war, was sie möchte und was nicht, was man braucht und was nicht und dass man da sein sollte, wo man hingehört…es gibt kein richtiges Leben im Falschen… sie war damals in der Immobilienbranche in Spanien tätig und hat dann auf dem Jakobweg gemerkt, dass das nicht ihres ist, hat sich auf dem französischen Jakobsweg in Frankreich verliebt und dann hier ne Gite aufgemacht…für Pilger…und hier spürt man auch den Pilger vibe

Es ist cool, dass all den Leuten das gelingt… ich würde auch gern sowas machen, Kämpfe aber mein Leben Lang um Normalität… weil ich einfach so unnormal aufwachsen musste… ich möchte Uniabschlüsse machen, am liebsten in nem Reihenhaus wohnen mit nem Flueßbandjob und nem Golf Gti und nem Abo der Bildzeitung… das ist für mich erstrebenswert…so wär ich gerne, weil ich so nie sein konnte. Darin Butter ich all meine Energie. Und klar klappts nich…oder nur bedingt.

Ich merke aber gleichzeitig, dass ich so nich bin… ich bin eigentlich komplett das Gegenteil von dem, was ich gerne wäre… und das ist so der Widerspruch, in dem ich lebe…

Ich würde mir vom Jakobsweg ja schon gerne einen gangbaren Mittelweg wünschen ^^ aaaabeer…man kriegt hier nich, was man sich wünscht 🙂

Der Camino wird in diesem Fall ein guter Spiegel sei und die Leute her, die richtigen Stichwortgeber…. Darum bin ich schon ganz richtig hier 🙂

Apropos richtig hier: Hier ist ne richtige Pilgerherberge ^^ Die Hospitalera geht jedes Jahr Pilgern, der Volonteer war 7 mal auf dem Jakobsweg und das spürt man..hier ist man mit all seinem offenen Bustellen sehr willkommen.

Aber mit mir sind noch 6 Tourie“Pilger“ da.. also die, die alle Herbergen im Januar buchen, sich ne Muschel an den Rucksack hängen und sagen sie pilgern jetzt, wo aber das Gespräh meist im Sande verläuft, wenn es um die deepen Themen geht.

Aber schön, dass auch diese Pilgerhier die Möglichkeit haben, damit mal in Berührung zu kommen…

Nach dem Essen forderte sie uns dann aber alle auf das Pilgerlied Ultreia zu singen und erklärte auch die Geschichte davon und vom Jakobsweg… für mich immer wieder ein Gänsehautmoment, spätestens seit conques… wo die Mönche mit Kerzen in der Hand die Pilger aufgefordert haben, ihnen zu folgen. Und die zogen dann mit uns Ultreia-singend durch die Kathedrale zur Statue von St Jaques…Gänsehaut

Darum poste ich den Song für euch auch mal und geh bald pennen ^^

Kommentare

2 Kommentare zu „Tag 19: Ultreja“

  1. Avatar von Florian
    Florian

    Ich habe Schwierigkeiten nachzuvollziehen, dass man ’nen Bildzeitungsabo haben wollen würde. Ich glaube auch nicht, dass Du Dir das tatsächlich wünscht, sondern auch der Wunsch eher eine Verdrängungstaktik einer tieferliegenden Herzensangelegenheit ist…

    1. Avatar von Der Wanderpanda

      Es ist halt so ne „Normalo-Utopie“ ^^ Nildzeitung, Reihenhaus, Job bei VW, Hundkatzemaus und Schützenverein

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