Panda ging jüngst den Camino, Santiago war sein Ziel, und da es heut hart bergab ging, drum lief er nicht, er fiel. Der Rucksack Riemen platzte, sein Schuh war arg lädiert, aber dennoch hat sich Panda ganz köstlich amüsiert….
Doch zuerst einmal schlief ich Überraschend lange und fraß dann Gefühlt ne ganze Packung Cornflakes, während ich vom Hund des Hospitaleros ignoriert wurde.
Währenddessen gab sich die Sonne alle Mühe, einen passablen Start in den Tag hinzulegen.
Überhaupt sollte heute ein optisches Highlight das nächste jagen.
Das wär so einer der Tage, wo man mit dem Knipsen garnicht hintetherkam.
Heute stand ein Aufstieg und ein langer Abstieg an und das spirituelle Highlight des Camino, der Cruz Ferro, an dem man stellvertretend für seine Sünden Steine ablegt. Mich hat das doch sehr mitgenommen
Doch erstmal ging es bergauf und in einen der beeindruckendsten Panoramen meines ganzen Lebens… Einfach atemberaubend. Kein Foto kann dem gerecht werden.
Das war ein saukrasser Moment.
Und dann kam auch schon Cruz Ferro… Ursprünglich wurde hier der Gott Mars und auch keltische Gottheiten verehrt sagt man. Der Steinhaufen dafür existiert heute etwas abseits der Straße. Heute legt man am Cruz Ferro Steine ab, um Sünden oder Lebenslasten dort zurück zu lassen. Man sollt meinen, das ist ein sehr negativ aufgeladener Ort, aber ich empfand die Stimmung dort als sehr rein. Aber als touchy. Ich wartete bis die Touries weg waren und widmete mich dann meinen Gedanken.
Ich habe am Anfang des Blogs schonmal über Sünden und Absolution gesprochen und glaube immer noch, dass man Fehler begeht, weil man es nicht besser weiß, aber Sündigt, wenn man Sachen in dem Wissen tut, dass sie moralisch, juristisch oder ethisch falsch sind. Wobei es im Juristischen Sinne dann ne Ordnungswidrigkeit oder ne Straftat wäre.
Doch auch ich habe Sünden begangen. Ich bemühe mich zwar, ein guter Mensch zu sein und möglichst wenigen Leuten zu schaden, doch es gelingt mir nicht immer.
Ich hatte zwei Steine mitgebracht.
Den ersten für all meine Sünden und ich bereue sie alle.
Ich bereue es, dass ich als Kind eine Katze schlecht behandelt habe, Ameisen getötet undd eine Fliege in ein Spinnennetz geworfen habe. Das verfolgt mich bis heute. Ich bereue es, dass ich zu einigen Haustieren nicht gut war. Ich bereue es, dass Gerrit von Kämpen wegen mir verprügelt wurde und ich bereue es, dass wir Torsten Schröder im Klassenscherank eingesperrt haben und den Schlüssel aus dem Fenster geworfen haben. Ich bereue es, dass ich zu Hartlef etwas gemeines gesagt habe und die Sache mit den 100 Euro in Schweden. Ich bereue auch alles andere, was mir gerade nicht präsent ist. Und dafür habe ich den ersten Stein a Cruz Ferro abgelegt.
Ich erwarte keine Vergebung dafür aber ich bitte dafür um Verzeihung und bemühe mich, künftig umsichtiger zu handeln.
Der zweite Stein war für all die Situationen, in denen ich richtig hatte handeln können, es aber nicht getan habe. Und er soll als Versprechen dort liegen, dass ich es zumindest versuchen möchte.
Ein für mich ergreifende und befreiender Moment. Es tut gut, einen Ort zu haben, wo man Entschuldigung sagen kann und sich dann der Zukunft zuwenden kann… Was. Nicht bedeutet, dass das für mich jetzt vergessen und vorbei ist.
Aber ich habe gemerkt, dass mir danach leichter war und es für mich ein ganz wichtiger Punkt des Caminos war… Nämlich das sich bereit machen für Neues… Ganz schwer zu beschreiben. Ich merke ganz deutlich, dass ich auf einer Pilgerreise bin… Auf einer Pilgerreise zu mir selbst.
Und nur dadurch auch zu Gott..
Ich merke, wie symbolisch diese Reise für mich ist und freue mich auch das Symbol Santiago zum Ankommen und anschließen und Finisterre für einen Neubeginn. Bei mir hat der Camino in spiritueller Hinsicht krass zugeschlagen. Und der Camino Gott bedenkt mich dafür mit krassen Panoramen.
Meine Augen schwelgten im Überfluss.
Dann begann auch der Abstieg nach Ponferrada und da hats dann meine Schuhe das zweite Mal (andere Nähte) und meinen Rucksack zerschrotet. Das suckt mega und ich muss schauen, wie ich das gemanaged kriege, denn mit kaputten Rucksack UND kaputten Schuhen nach Finisterre, das wird n harter Ritt. Aber ich glaube, der Camino Gott hat mir hier ne Challenge gegeben. Ich darf beweisen, wie ich mich solchen Herausforderungen stelle…. Panisch und überaktiv wie früher, oder lösungsorientiert und pragmatisch… Heute entschied ich mich für zweiteres und werde nun einen Tag Extrastop in Ponferrada machen müssen. Trotzdem sank meine Laune spätestens als mir jemand sagte, ich sollte schonmal anfangen mir zu überlegen, wo ich ne Schubkarre he4kriege… Klar, das war spaßig gemeint, aber in mir brodelte es…
Dann begannen ewig lange, steile und schwierige Abstiege, die nicht nur anstrengend waren, sondern auch an den Nerven zehrten.
Aber auch das war irgendwann geschafft und der Camino bot mir noch zwei letzte tolle Ausblicke…
Danach war meine Laune so im Keller, dass ich einen Ort vor Ponferrada mit Steffi, einer Deutschen, dort in einer Albergue übernachten wollte… Die war allerdings derartig kalt, dass man drinnen seinen Atem sehen konnte… Wir verließen fluchtartig die Albergue. Während Steffi abgeholt wurde (es wurde mittlerweile dunkel), spendierte die mir ein Taxi… Danke… Wir kamen in Ponferrada an, wo krasse Koreaner Party ging… Aber es wurde ein lustiger Abend…
Ich machte mir was zu Essen und girl dann bald ins Bett….
Gute Nacht Welt.
Wow, heute sind wirklich wunderschöne Momentaufnahme dabei, danke dafür das du sie immer mit uns teilst. Hoffe du kannst deinen Rucksack und deinen Schuh reparieren und noch weitergehen. Bin gespannt auf morgen. Ich lese dich 🤗
So schön, die Fotos, noch mehr, wie tief Du Dich berühren lässt. Wie gut, dass Du Deine Gefühle in Dein Herz lässt, da wird Dein Rucksack doch auch immer leichter
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