„Sag mal,“ so beginnen sie dann oft, „Wie nur hältst du so eine Heldentat eigentlich nervlich und physisch durch?“ Das sind so die Fragen, die ich oft von gefragt werde. Oft holen diese Leute dabei weit aus und erläutern mir, wie toll ich bin, wie sehr sie mich bewundern und wertschätzen und dass sie sogar auch meine Rechtschreibfehler schätzen.
Ich winke dann immer peinlich berührt ab und sage jovial: „Aaaaach, das ist doch nichts Besonderes.“, auch wenn ich mich schon auch irgendwo geschmeichelt fühle.
Meistens wache ich an dieser Stelle dann auch auf und die Realität winkt mir freundlich zu. 😀
Aber ich kann euch sagen, wie ich das durchhalte… BETRUNKEN! Leute, wir sind in Spanien. Hier kommt Wein statt Wasser aus dem Hahn. Glaubt ihr nicht? Wartets ab!
Ich hatte die Nacht in so ner gruseligen, Halb offenen Turnhalle geschlafen und die ganze Zeit über Horrorfilme nachgedacht. Dass das kontraproduktiv ist, war mir schon vorher klar. Aber Grusel kommt, wenn Grusel will. Darum lag ich da rum und gruselte mich und schlich morgens um 8 los, raus aus Estella, Richtung Los Arcos.
Ich hab die letzten Tage festgestellt, dass Jogginghosen sich gut zum Trekken eignen auch wenn sie scheiße aussehen. Ich frag mich, warum ich überhaupt noch ne Jeans dabei hab. Vermutlich nur, weil Extragewicht cool ist. Außerdem bin ich n Pilger und darf scheiße aussehen. Ein Spanier meinte mal zu mir: „Wir sind Katholiken, wenn wir dabei nicht leiden, ist es nichts wert.“
Ich leide zwar auch, bin aber kein Katholik und gönne mir darum auch die schönen Momente und schlich durstig zum nächsten Weinhahn um mir etwas zu Trinken zu holen.
Der war in Bodega und um diese Zeit interessanterweise auch von ziemlich angeschwipsten Einheimischen belagert.

Ich zapfte mir meinen Wein und torkelte selig in den Wald.


Erfahrene Pilger wissen natürlich, dass dieser Weinbrunnen zu einer Weinkelterei gehört und die es als Gimmick und Werbung installiert haben. Aus einem Hahn kommt Wasser, aus dem anderen Wein… Auf jeden Fall allemal eine Attraktion 🙂
Der Weg war bergig und recht angenehm… (die Bilder sind heute aber eher unspektakulär)

Es war schön, in der Ferne die Bergkette zu sehen. Ich ließ die Gedanken fließen und genoss den Tag. Es ist schön zu wandern und in so einer Natur unterwegs zu sein. Das macht viel mit einem.
Mich nerven leider immernoch die Blasen an den Füßen. Das tut weh beim Laufen und ist doof. Trotzdem stiefelte ich munter drauf los.


Ich erreichte schon um 13.30 das 22km entfernte Los Arcos und machte dort Siesta. Eigentlich war ich ziemlich kaputt, da ich immernoch nicht so geübt im Wandern bin. Aber ich entschied mich, noch 6km weiter nach Torres del Rio zu gehen.
Der Weg führte bei sommerlichen Temperaturen durch eine baumlose Ebene, die mich etwas stresste, weil in der Ferne 2 Städte lagen, die einfach nicht näher kamen und mir Taten die Füße brutal weh 🙂
Ich habe nicht mal Fotos gemacht, darum poste ich eines aus dem Netz.

Gegen 16 Uhr erreichte ich Torres del Rio und war dann auch sehr kaputt. Kurz bei Muttern angerufen 🙂 (Liebe Grüße an dich, Jasper, Jaro, Joscha, Marielle, Jakob, Heike und René und die Zwerge). Ich war dann auch froh, als ich den Abend mit einem Pilgermenue ausklingen lassen konnte und gehe nun ins Bett.


By the Way… Dieser Zimt-Vanillepudding war der BESTE, den ich jemals gegessen habe 🙂
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