Tag 17: Entscheidungen …

Ich bin krank leider. Mein Hals tut weh, ich hab Husten und bin schlapp.

Dazu kommen meine Blasen an den Füßen , von denen eine (direkt am Hacken) entzündet ist. Ich hab sie heute aufgemacht und es kam Blut und Eiter raus.

Darum ist mein Plan eigentlich gewesen, heute nur 15km zu gehen und dann zu entspannen, aber ich bin einfach zu schlapp und der Fuß tut so weh, dass ich entschlossen habe, heute um 4 das Pilgertaxi zu nehmen nach Lecture und Wege zu finden mich zu gesunden und auch mein Schuhproblem zu regeln.

Und genau da bin ich dann genau an dem Punkt wo es für mich schwierig wird und vielleicht ist genau das auch derzeit meine Challenge.

Als ich zwischen St. Privat d’Allier und Conques aufgrund der Schlafplatzsituation einige Etappen überspringen musste, da die Touristen die Pilger-Infrastruktur streckenweise schon im September ausgebucht hatten und darüber Blog schrieb, fragte mich danach jemand, was denn los wäre… ich hätte doch gesagt, ich will laufen und nun säße ich im Bus.

Und ich hatte sofort das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen.. oder versagt zu haben…. meinen großmäuligen Worten keine Taten folgen zu lassen und einfach ein Schwätzer, Nichtskönner und Versager zu sein.

Ich bezweifele natürlich, dass die Person das damit sagen wollte… mir ist bewusst, dass das sehr tief in mir drin steckt und was von und aus mir ist, was mich aber schon oft begleitet.

Ich hab das Gefühl, den anderen gelingt alles und sie machen coole Dinge mit Leichtigkeit und ich bin unzulänglich, unzuverlässig, beliebig und gehe Schwierigkeiten aus dem Weg.

Und ja, das stimmt. Is so…nervt mich selber… ich schiebe unangenehme Dinge gerne auf und finde gerne Gründe, sie zu vermeiden. Ist einfach so. Inwieweit das normal ist und inwieweit andere das auch tun weiß ich nicht. Ich hab das bei anderen nie hinterfragt, ich sehe da eher mich kritisch… aber das liegt vermutlich daran, dass ich während meiner Kindheit durchgehend kritisch gesehen wurde und das dann zu meinem Selbstbild gemacht hab… Frau Gutekunst, liebe Grüße, würde das vermutlich unter Täterintrojekte verbuchen.

Dass es an mir ist, das zu durchbrechen, ist klar…kann niemand für mich machen. Und darum muss ich mich auch mit dem Gefühl auseinandersetzen ein Versager zu sein, wenn ich mir Dinge vornehme und sie nicht klappen… und ich glaube, die anderen verurteilen mich viel weniger dafür, als ich mich selber.

Ich bin halt unsicher, weil ich irgendwie alle Entscheidungen davon abhängig mache, was andere wohl denken und wie sie was finden. Und stecke lieber selbst zurück oder mache Dinge, die ich eigentlich nicht mg oder gut sind, nur damit andere nicht über mich den Kopf schütteln… und das macht mich zu einem super Kandidaten für schlechte Entscheidungen.

Zumal ich einfach auch echt unsicher bin was jetzt gute Entscheidungen wären… ich habe immer Das Gefühl in meinem Leben Ausnahmezustand zu verwalten, statt gute und nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

Bestes Beispiel: Der Camino hier!

Schwierigkeitsstufe M. Viele Berge. Ich hab Blasen an den Füßen, eine davon eitrig und bin erkältet. Meine Schuhe sind kacke und die Sohle ist abgerieben. Und die Tageskosten übersteigen eigentlichmein Budget … ich hab mich über diesem Camino einfach im Vorfeld nicht informiert…

Mein Bauchgefühl sagt: Vielleicht ist gerade dieser Camino doch eine Nummer zu groß für dich? Klar hast du auch gute Momente hier, aber die meiste Zeit ist es doch anstrengend. Der Camino ist gut aber vielleicht derzeit noch nicht für dich Setz dich doch einfach in den Bus, fahr nach SJPDP und geh auf den Frances, sind doch immer noch 800km…du MUSST das nicht durchziehen, wenn es eigentlich keinen Spaß macht. Und fahr vorher nach condom und hol dir neue Schuhe.

Das Teufelchen auf meiner Schulter sagt: Du machst es dir doch nur einfach. Du kannst auch mit Blasen und Husten laufen. Gehste halt nut 15, statt 25km. Es schaffen jeden Tag Leute die Etappen. Du gehst halt den Schwierigkeiten nur aus dem Weg. Es geht beim Camino dich um Überwindung und du hast toll den supergeili Blog gestartet und alle Fiebern mit und nu? Du kannst auch mit kaputten Schuhen gehen. Bist du schon mal. Aber ne… Kommt n Berg, setzte dich in den Bus. Loser.

Was aber so halt auch nur bedingt stimmt. Ja, ich hab die Podiensis unterschätzt, bezw mich einfach vorher nicht informiert. Aber ich geh sie ja. Und geh auch die Berge. In der Sonne. Mit Blasen an den Füßen. Mach ich ja. Und ja, der Camino belohnt mich auch dafür und vermutlich könnte ich mich durchbeissen vom Etappe zu Etappe.

Was ich mich halt frage ist: Was ist denn jetzt die richtige Entscheidung? Wie treffe ich jetzt eine Entscheidung, die Erwachsen, reflektiert und vernünftig ist? Woher weiß ich wann es eine gute Entscheidung ist?

Bisher habe ich meist gute Entscheidungen getroffen und wurde dafür belohnt. Mit Conques. Mit la Papillon, mit Figeac, mit der Gite gestern 🙂

Ich glaube, das ist eine Challenge für mich auf dem Camino…. Entscheidungen treffen, die ich nicht für andere treffe, sondern für mich. Und die ich treffe, weil sie für mich gut sind, nicht weil ich vermeiden möchte, dass Leute meinen Blog lesen und denken, ich bin ein inkonsequentes Weichei.

Wie Marita sagte: Wer außer dir selbst soll dich denn verurteilen? . Ja hat sie recht…ist doch mein Camino. .

Sie fragte auch, ob ich denke, der Frances würde keine Herausforderungen für mich bereit bereithalten? Oh doch Marita ^^ Alleine die erste Etappe, an der ich in Dezember 2018 gescheitert bin ^^

Ich weiß nicht, Leute, ich muss nachdenken… Gefühl sagt SJPDP und Frances, Kopf sagt Durchziehen…beides ist eine Entscheidung mit guten und schlechten Konsequenzen… und die Beste Entscheidung treffe ich, wenn ich selbst damit ein gutes Gefühl habe.

Hoffe ich….

Ich fahre nun in ein Kloster und werde da mal gucken, wie es weitergeht

Bis dann

Kommentare

2 Kommentare zu „Tag 17: Entscheidungen …“

  1. Avatar von Grenzen überschreiten

    Hast du jeden Tag geschrieben? Ich habe auch einen Blog auf WordPress geschrieben. Dein Blog ist interessant und wenn ich bei dir etwas über Conque lese, wird mir schlecht, wenn ich an den Aufstieg danach denke…

    1. Avatar von Der Wanderpanda

      Ja, aber du schaffst den ^^ Der Aufstieg ist übel, aber er geht vorbei ^^

      Poste gern mal deinen Blog hier, ich lese ihn gern abends in der Herberge ^^

      Ultreia 🙂

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