Da ich heute einen Tag Zwangspause in Ponferrada aufgrund von Materialermüdung hatte, habe ich heute eigentlich nicht so wirklich viel Caminomäßiges zu berichten… Darum laber ich einfach ne halbe Stunde altklug rum und werde Sätze einfließen lassen, wie: „Wie schon der alte Fritz zu sagen pflegte…“
Doch zuerst einmal erwachte ich um halb 8 in Ponferrada und war mir darüber im klaren, dass ich um 8 rausgeschmissen würde, da dann die Herberge schließt. Ich hatte noch nichts gepackt. Aber da ich eh den Inhalt meines Rucksack in der Albergue lassen würde, war das auch egal.
Ich zog mich also an, legte meine Sachen in den dafür vorgesehenen Raum und stellte fest, dass ich meine Plane und meine Gamaschen verloren habe … Keine Ahnung wie…
Damit erweitert sich die Liste meiner verlorenen Sachen wie folgt:
– Ladegerät
-Axe Duschgel
– Nivea Duschgel
– Handschuh, rechts
– mein Handtuch
– mein Handtuch erneut, nachdem es mir jemand hinterhergetragen hatte.
– mein Ersatzhandtuch
– Mein Löffel
– 6 Ohropax
– Meine Gamaschen
– Meine Unterlegplane
Warum nehme ich eigentlich überhaupt etwas mit?
Aber wie schon der alte Fritz zu sagen pflegte: „Du kriegst in jeder größeren Stadt n Ladegerät. Ist doch nich so wild.“
Aber der Alte Fritz hatte auch genug Kohle mit auf dem Camino…
Naja…um die Gamaschen und die Plane tuts mir schon leid, aber anscheinend war der Camino der Meinung, ich bräuchte beides nicht mehr. Stimmt vielleicht auch.
Leider trennen sich heute Pacs und meine Wege, da er zwei Etappen überspringt. Ich werde ihn vermissen. Aber er sagt, wir bleiben Bearfriends 🙂 Und vielleicht sehe ich ihn ja wieder.
Pac wollte gerne etwas Deutsch von mir lernen, aber da er gerne Witze über die Deutsche Sprache macht, habe ich mir einen Spaß erlaubt und ihm die Klischee-oberharte-Aussprache beigebracht… So Hitler mäßig… Ihr versteht schon. Oder? 🙂
Gestern kam dann eine Deutsche dazu, Steffi. Sie saß harmlos beim Essen, aufeinmal steht Pac auf, stellt sich neben sie und brüllt mega übertrieben Nazimäßig:“ GUTTEN APPETTIT!!!“ ich fiel vor Lachen fast vom Stuhl, besonders, da Steffi nicht damit gerechnet hatte und erschrocken zusammenzuckte… Aber am Ende war es ein sehr lustiger Moment und Pac (der dann natürlich aufgeklärt wurde) sorgte mit seinem Deutsch noch für einige Lacher 🙂
Überhaupt sind die Geschichten am Rande immer toll und eine Anekdote wert. Gestern traf ich zum Beispiel einen Koreaner, der den ganzen Rucksack voller Broschen und Tüchern hat. Und ehe ich es mich versah, reichte er mir eines der Tücher und hielt mir einen kleinen Vortag, dem ich gerne zuhörte, weil zum einen das Thema interessant war und zum anderen der Koreaner gut aussah…
Manchmal bin ich auch nur ein Mensch 😉
Es gibt eine Insel namens Dokdo, die zwischen Korea und Japan liegt. Derzeit ist sie Koreanisch, doch Japan erhebt Ansprüche darauf. Und der 22jährige Seong Ju zieht nun also mit einem Rucksack voller Infomaterial über den Jakobsweg und klärt jeden, der möchte über diese Insel auf 🙂 Und er möchte, dass jeder weiß, dass Dokdo Koreanisch ist, nicht Japanisch. Er tut das aus Patriotismus 🙂 ich hoffe, er wird am Ende sagen, dass es ein guter Weg war.
Ich Trekkingschuhte aber in die Stadt und suchte nach nem Schuster und fand auch einen. Ich erklärte ihm mein Problem, er warf einen prüfenden Blick auf den Rucksack und die Schuhe und sagte:“ Wenn es nicht flüssig ist, dann kann ich es nähen.“ Sprachs und nähte. 10 Minuten später, hatte ich genähte Schuhe, nen genähten Rucksack und er er wünschte mir „Buen Camino.“
Das sind so die kleinen helfenden Elfen am Wegrand, die so viel vom Camino spirit ausmachen. 💕
Heile und repariert stapfte ich durch die Stadt und stand Tourie mäßig an nem Platz und versuchte möglichst interessiert auszusehen, als es auf einmal mega um mich herum flatterte und gefühlt zehntausend Tauben um mich herum landeten… Der ganze Platz war voller Tauben und ich stand mittendrin und wusste nicht was passierte… Die Spanier hielten an, guckten und lachten… 
Mich erinnerte das hart an eine meiner Slapstickeinlagen in Hannover… Die Sonne geht romantisch unter. Ich steh mit ner Tüte Brot am Kanal und stelle mir vor, wie ich romantisch die Enten fütter. Sie quaken fröhlich und ich werfe lachend und rotwangig Brot ins Wasser.. Naja, ich greife so in die Tüte, auf einmal stürzen aus allen Himmelsrichtungen Vögel aller Art auf mich zu. Enten, Möwen, Krähen, Tauben… Ein Gewirr aus Flügeln und Geräuschen… Die Vögel sich mega am Prügeln… Ich voll Panik schmeiß die gesamte Brottüte ins Wasser und der Vogelhaufen stürzt sich prügelnd hinterher… Ich atme durch, gucke mich um, ob es jemand gesehen hat und geh schnell weg…Ja, es ist wirklich so gewesen.
Ich hatte Angst, dass es heute wieder so endet… Ich steh also regungslos inmitten tausender Tauben. Die Tauben starren mich an… Lachende Spanier machen Fotos.. Meine unheilvolle Stille… Aufeinmal fliegen alle auf einmal Weg… Ich ducke mich, die Spanier erschrecken sich und ducken sich und ich gucke mich um und haue schnell ab 😀
Oh mann
Tja und dann war meine erste Credencial voll 🙂 total cool… Aber die Hospitalera meinte heute, es sind nurnoch 210km nach Santiago. Ich habe also knapp 600km zu Fuß zurückgelegt.. Wie krass ist bitte das?
Eigentlich wollte ich noch was zum Thema erste Ergebnisse schreiben, aber mein Kopf ist grad voller Tauben 😂
Morgen geht’s wieder los 🙂
Darum schlaft mal alle gut.
War da noch was? Achja:
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