Tag 20: Was haben die Römer je für uns getan?

Ich denke, dies ist die essenzielle Frage, die sich letzten Endes jeder Auf dem Camino stellt… Und man kommt unweigerlich zu der Erkenntnis: NICHTS!… Okay, abgesehen vom Aquädukt, der medizinischen Versorgung, dem Schulwesen, der Kanalisation, dem Straßenbau, der öffentlichen Sicherheit und so… Halt einfach garnichts…

Doch zuerst einmal verließ ich Castrojeritz um 6:15, weil ich einfach um 5 schon wach war… In weiser Voraussicht waren meine Sachen gepackt, so dass ich leise war… Und geräuschlos, wie ein Katzenpups glitt ich durchs Zimmer… Immer in der Gewissheit, dass man mich erst bemerken würde, wenn es zu spät war… Doch ich hatte eigentlich nur vor zu verschwinden… Dass auch meine koreanischen Homies…

… Schon wach waren und lautstark im Zimmer packten, machten meine Schleichversuche irgendwie peinlich… Vor allem, weil mich jeder schleichen sah und ich auch einfach hätte normal gehen können… Aber ein Ninja tut, was ein Ninja tut… Und so schlich ich…

Koreaner sind irgendwie toll… Ich mag sie generell, auch wenn sie beim Essen schmatzen. Aber sie sind so höflich und freundlich…. Meinen Homies helfe ich immer mit Instantnudeln aus, dafür verteidigen sie mich hoffentlich mit Kungfu wenn mal ernst wird. Aber heut abend saßen einige Pilger so rum und redeten über Frauen und die beiden fragten ganz ehrfürchtig den Ältesten in der Runde, ob er ihnen einige Ratschläge in Frauenfragen geben könnte, da er als älterer Mann eine Respektsperson ist… Das war auf sympathische Weise süß.

Überhaupt… So viele Koreaner… Wer ist grade in Korea frag ich mich… Das Land muss komplett leer sein.

Nu ja.. Ich war also im 6:15 unterwegs und rockte unter einem tollen Sternenhimmel gen Westen.. Ich gehe eigentlich gerne Nachts… Mit ner guten Lampe kein Problem.

Bis auf nen fiesen Aufstieg und Abstieg war sowohl die Reise als auch die Landschaft heute unspektakulär.

Ich schaffte die 30km in gut 6, 5 Stunden und das war cool. Ich hatte mir 30km mit 18kg Gepäck eigentlich garnicht zugetraut.. Aber man merkt den Rucksack kaum noch.

Die Albergue heute bot überraschend viel Privatsphäre und mir wurde klar, wie wenig ich davon die letzte Zeit hatte und trotzdem Klarkam… Denn eigentlich bin ich Mr. Privatsphäre in Person. Aber das ist wohl wieder ein Aspekt von mir, den mir der Camino zeigt… Ich genieße die Zeit in der Albergue eigentlich und funktioniere da auch gut. … Beim Wandern bin ich gern allein… Aber danach gern in Gesellschaft… Schön, zu wissen 🙂

Die Gesellschaft heute war angenehm und hat Spaß gemacht… Morgen gehe ich nur 15km.Wie das klingt… Nur 15 km gehen 😀

Vor 2 Wochen undenkbar… Heute wie Urlaub 🙂

Corey, eine Amerikanerin noch ganz vom Anfang, tauchte heute mal wieder auf, das war toll und sonst… War eigentlich nix aufregendes…

OH doch…Meine Schuhe lösen sich auf und ich brauch dringend Angelschnur zum flicken.. Das ist mega ärgerlich… Denn die Stiefel waren teuer und eigentlich gut und ich hab kein Geld für neue … Das war schade… Da werde ich morgen dem Hersteller schreiben… Aber ich Lauf halt seit 350km täglich damit… Trotzdem darf das nicht passieren.. Ich hab nicht mal die Hälfte.

Ansonsten hatte ich tatsächlich heut das Herr der Ringe Hörbuch an… Ich hab das Buch schon vor dem Film gelesen aber merke schon, wie sehr sich Buch und Film unterscheiden… Aber cool, das mal wieder zu hören.

Tja… ich merke, ich genieße die Zeit hier sehr und bin dankbar dafür.

Ich geh gleich gemütlich ins Bett und grüß heut alle, die hier mitlesen. 🙂

Und Danny, der den Weg demnächst gehen möchte.

Tu es 🙂

Ich verbleibe mit dem Bild eins Tellers Bohnensuppe ohne Kontext.

Cya

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert