Tag 27/28: Gott, wir müssen reden…

Ich wollte gestern schreiben, aber mir kam ein intensiver Caminomoment dazwischen…

Dementsprechend spirituell wirds heute auch… Wer das nicht so mag oder wem das unangenehm ist…ich verstehe das… dann könnt ihr das gerne überspringen ^^

Doch zunächst einmal erwachte ich in der Casa Paderborn… Maritas erster Tip und ein toller Tip… Marita habe ich bei Facebook on der Jakobsweggruppe kennen und schätzen gelernt… sie ist selbst Pilgerin und arbeitet (auch dieses Jahr) als freiwillige Hospitalera in Herbergen entlang des Camino…

Das muss man einfach auch mal würdigen…ein nur wegen bemühten und freundlichen Menschen wie ihnen, haben wir einen so tollen Weg (hofentlich). Sie begrüßen uns freundlich und bieten uns was zu trinken an, wenn wir müde, Hummeln, überhitzt, dreckig und abgekauft in de Herbergen ankommen… DANKE :)))

Der zweite Tip von ihr war eine Wegbeschreibung, wie ich in Pamplona die Vorstädte umgehen kann…ich hab nich aber fürchterlich verlaufen, was aber nicht an ihterBeschreibung lag, sondern daran, dass ich als Zugvogel vermutlich in meinem ersten Winter ausgestorben wär…

Die Casa Paderborn ist ein Haus, dass dem deutschen Jakobusverband von der Stadt Pamplona übergeben wurde und deutsch geführt wird und dementsprechend beliebt bei deutschen Pilgern ist ^^

Auch ich fühlte mich dort wohl und machte Abends die Stadt unsicher und hatte ENDLICH MAL ne riiiiichtig gute Pizza ^^

Da ich unbedingt zum Friseur, zur Apo5heke und zum Supermarkt musste und weil Pamplona einfach schön ist, blieb ich am nächsten Tag auch dort, konnte aber nur eine Nacht in der Casa Paderborn bleiben und zog um in Maritas dritten Tip: Eine neue Donativo Herberge , von nem Priester geführt in nem alten Nonnenkonvent…. ich bin ja Fan von spirituell/religiösen Herbergen, da man dort oft so die besonderen Caminomemete hat… so auch diesmal…

Einer… also wirklich einer von mehreren Gründen mich auf den Weg zu machen war der, dass ich in ner ziemlich schweren Phase Gott gesagt hab: Okay, ich bin bereit zuzuhören… sprich… und es kam nix…

Dabei glaube ich durchaus an Gott, auch wenn ich jetzt kein Christ bin..

Aber sowohl im Matthäusevangelium, als auch in der Freimaurerei heißt es: „Suchet, so werdet ihr finden, bittet, so wird euch gegeben, klopfen an, so wird euch aufgetan…

In der Freimaurerei war das der Fall… aber in Sachen Gott? Ich hab ihn gesucht… bin in Kirchen und so gegangen, hab nich in anderen Religionen umgetan… ich glaube…das hat sich nicht geändert…aber er antwortet nicht…

Ich habe ihn gebeten…aber er hat mir nix gegeben…er gibt auch den Tieren und Menschen nix, die grade abgeschlachtet, gequält und scheiße behandelt werden. Da sind keine Engel… da sind Bolzenschussgeräte und Angst…

Ich hab Angeklopft… mir haben Priester geöffnet aber Gott? Wo bist du?

Unsere Beziehung ist …kompliziert…sagen wir mal so…

Naja… nach dem Abendessen bringt der Priester uns in den Keller des Klosters, wo sich ne Kapelle auftut..und er betet mit uns… und seine englischsprechenden Mitgeistlichen hab ich mir dann geschnappt und ihm gesagt, ich möchte mit ihm reden…und dann hab ich ihn gefragt, warum Gott nicht mit mir spricht… ich glaube an ihn, ich spreche zu ihm..und er? Hält schön die Klappe…

Daraus wurde ein sehr intensives Gespräch, in dem der Mann mir von seiner schlimmen Vergangenheit erzählt und meinte, auch er hat in seiner finsteren Stunde ach Gott gerufen und nur Stille gehört…und dass er verstehen könnte, dass ich in Kirchen nix fühle…er fühlt dort auch nix…

Er meinte, Gott spricht nich mit ner Stimme zu uns…er manifestiert sich nicht… er kommt nich an und erleuchtet einen…schon garnicht, wenn man darum bittet….Gott zeigt sich eher durch Geschehnisse und gutes Verhalten bei den Menschen im mich… und er fragte mich, was ich alles so auf dem Camino erlebt habe…

Und ja, ich hab krasse Dinge erlebt… toller hilfsbereite Menschen, deepe Gespräche, kleine Wunder am Wegrand…. und er meinte: Das ist Gott…

Damit habe ich aber schon ein Problem.. all das Gute was mir widerfahren ist hier, oder was auch ich gegeben habe, kam von Menschen.. Wenn man die Enttscheidungen von Mensche, Gutes zu tun, damit erklärt, dass Gott durch die wirkt… dann redet MSN den freuen Willrn und die Beteitschaft zum Guten der Menschen klein… warum schmückt Gott sich mit fremden Federn?

Dazu meinte er, dass der Freie Wille des Menschen darin besteht „Gottgefällig“ (klingt so christlich… ich meine es eher im Sinne von Nächstenliebe und so) zu handeln…man kann auch entscheiden nicht so zu handeln… die Entscheidung des Menschen zum Guten..DAS ist der freie Wille.. die Handlung selbst ist … keine Ahnung… Gott…das Königreich Gottes..göttlich… weil es halt dem göttlichen entspricht…

Er meinte, Gott spricht mit mir…sogar sehr laut.. Durch alles, was ich hier erlebe..

Darüber muss, darf und will ich nachdenken…aber das war viel Input… und ich fiel müde ins Bett…

In der Nacht…ich trage ja immer Kopfhörer und höre White Noise, weil ich Schnarcher so gut ausblenden kann… naja… mitten in der Nacht wache ich von panische Frsuenchreien auf und vonnnem Typen der sagt „Ich bring dich um du Schlampe…“

Ich sprang völlig panisch und schreiend aus dem Bett…mach das Licht an.. alle wachen geschockt auf… die Frau schreit weiter…bis ich checke, dass das aus meinem Kopfhörer kommt… der White Noise Stream hatte sich selbstständig ausgeschaltet mittendrin und ein Horrorpodcast hatte sich angeschaltet…. Alter…

Ich verließ das schöne Pamplona nach intensiven Tagen und brach 23km auf nach Puente de la Reina… wo der Alto de Pardon wartete 🙂 Ein Jakobsweg-Higlight

Ich kam super voran und genoss den Tag richtig und dachte viel nach…. vielleicht spricht Gott ja echt durch die kleinen Zeichen am Wegrand… Wer weiß…

Ich werde das mal beobachten… dennoch sage ich allen, die Gutes tun, getan haben und tun wollen: Danke! Ihr macht die Welt besser…

Und ich geh gleich pennen… ^^

Gute Nacht

Kommentare

2 Kommentare zu „Tag 27/28: Gott, wir müssen reden…“

  1. Avatar von Jacqueline Richter
    Jacqueline Richter

    Oh…dieses Argument der Christen kenne ich..und komm auch damit nicht klar…

    Das ist irgendwie die Allzweckwaffe gegen Zweifler…was soll man da schon gegen sagen…damit machen sie sichs viel zu einfach…und wie Du will ich nicht davon weg, ans Gute im Menschen selbst zu glauben.
    Grad die 10 Gebote fordern doch aktiv die Leute auf gut zu sein…so läufts drauf hinaus, entweder sind die Leute gut weil sie sich an ihre 10 Gebote halten…oder wenn sie die nich kennen dann macht das Gott halt für sie?
    Ich bin Atheist und ungläubig und ich bin nett weil ich das per freiem Willen so sein will, nich weil mich was allmächtiges dazu anstiftet…

    Mit fällt die die Dialogzeile in Sakrileg ein den die Nachfahrin Jesu sagt: „Wer ist Gott? Wer ist Mensch?“ …ist das nicht das gleiche?
    Wenn dem so ist, dann brauchen wir aber auch den ganzen Überbau mit der Religion, den Regeln, Priestern und der Kirche nicht…

    Ich bin ja trotzdem in der Gruppe der Hexen und Heiden gelandet, weil ich doch an ein grösseres Ganzes und eine Spiritualität glaube, nur geb ich dem keinen Namen und erwarte keine konkreten Taten davon…

    🙂 Vertrau auf Dich und Deine Freunde…und gute Gespräche! Wünsch Dir noch mehr davon auf dem Weg!

  2. Avatar von Rudolf
    Rudolf

    Lieber Mica,
    über diesen Teil Deines Textes werde ich auch nachdenken:

    Dazu meinte er, dass der Freie Wille des Menschen darin besteht „Gottgefällig“ (klingt so christlich… ich meine es eher im Sinne von Nächstenliebe und so) zu handeln…man kann auch entscheiden nicht so zu handeln… die Entscheidung des Menschen zum Guten..DAS ist der freie Wille.. die Handlung selbst ist … keine Ahnung… Gott…das Königreich Gottes..göttlich… weil es halt dem göttlichen entspricht…

    Danke Dir und dem Priester für die Anregung.

    Liebe Grüße
    Rudolf

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